Wildes Patagonien

Nach unserer Einreise  in Chile über den sehr einsamen Paso Rio Frias fahren wir durch eine landschaftlich herrliche Umgebung immer am Rio Cisnes entlang mit schönen Übernachtungsplätzen.  Nach drei Tagen erreichen wir die Carretera Austral in Chile.

Zuerst wollen wir nun aber den Pazifik sehen und machen einen kleinen Abstecher in Richtung Norden bis nach Puerto Cisnes, einem kleinen Fischerort. Auf der Fahrt dorthin lernen wir das patagonische Wetter gleich von seiner rauen Seite so richtig kennen. Es stürmt und regnet, dann scheint mal kurz die Sonne bevor es dann wieder regnet. Wir lassen uns davon nicht beeindrucken und gehen erst mal leckeren Fisch essen und kaufen gleich auch noch einige Portionen zum Einfrieren, da Karin meinen Angelkünsten noch nicht so recht traut.

Am nächsten Tag ist Traumwetter mit stahlblauem Himmel und wir fahren zurück auf die Carretera Austral  und dann in Richtung Süden. War auf der Herfahrt noch alles grau in grau erleben wir die Landschaft nun bei strahlendem Sonnenschein völlig anders. Ständig  müssen wir für einen Fotostopp anhalten und sind mal wieder völlig begeistert. Gegen Mittag machen wir Rast  an einem See mit Picknickplatz und da es so schön ist bleiben wir  gleich für die Nacht stehen und genießen das herrliche Wetter in vollen Zügen.

Nachts haben wir noch Sternenhimmel bei „fast Vollmond“, aber morgens regnet und stürmt es und will gar nicht mehr aufhören. Wir fahren weiter nach Süden und trotz Regen ist es eine atemberaubende Landschaft. Man kommt sich vor wie in einem riesigen botanischen Garten und es sieht aus wie im Hochgebirge obwohl wir uns nur auf 100-300m über Meereshöhe bewegen.

Coyhaique ist der einzige  etwas größere Ort an der Strecke. Wir bleiben ein paar Tage, genießen nach langer Zeit mal wieder ein bisschen Stadtleben  und decken uns mit Lebensmitteln und Sprit ein, da es nun weiter im Süden immer weniger Infrastruktur gibt. Auch die Wäsche muss mal wieder gewaschen werden und wir machen unseren vierten Frisörbesuch im vierten Land. Ich kaufe mir noch zwei Blinker mit „Beiß Garantie“. Irgendwie muss das nun doch bald mal klappen mit der Forelle für den Grill.

50km hinter Coyhaique ist dann Schluss mit geteerter Straße und wir fahren mal wieder Schotterpiste. Die Landschaft bleibt großartig und  belohnt uns für die anstrengende Fahrt. Unser nächstes Ziel ist der Lago Carrera, nach dem Titicacasee der zweitgrößte See Südamerikas, der eingerahmt von schneebedeckten Bergen, in allen Farben leuchtet. Dort bleiben wir ein paar Tage in Puerto Rio Tranquillo, einem schönen kleinen Ort am Seeufer. So wie der Name schon sagt ist es dort auch, alles easy, ruhig und entspannt.

Wir entschließen uns von dort aus eine nicht ganz alltägliche Tour zum Gletscher San Rafael zu machen. Dazu müssen wir eine Erdpiste, die 75km in das Tal getrieben wurde, ins Valle Exploradores fahren an deren Ende die Tour startet. Es handelt sich um eins der landschaftlich vielfältigsten und beeindruckenden Täler entlang der gesamten Carretera Austral, das zudem weitgehend unbekannt ist. Wir befinden uns praktisch auf Meereshöhe und sind umgeben von dicht bewaldeten, steilen Berghängen von denen überall das Wasser runterrauscht, und in den Einschnitten hängen die Gletscher. Wir bleiben an einem See für die Nacht und nun zahlt sich auch der Blinker mit Beiß Garantie aus und ich fange  endlich meine ersten Forellen.

Am nächsten Tag fahren wir bis ans Ende der Piste. Von dort werden wir mit einem kleinen Boot über den Fluss gebracht und dann geht es nochmal 10km mit einem Minibus bis zur Anlegestelle. Von dort starten wir dann die  Bootstour zum Gletscher San Rafael. Ein Wahnsinns Erlebnis. Wir sind zu sechst und mit einer Nussschale von Boot geht es 2,5 Std durch die Fjorde des Nördlichen Patagonischen Eisfeldes. Kam bei unserer Abfahrt noch die Sonne raus, haben wir während der Fahrt alle Wetter, Regen, Hagel, starken Wind, hohe Wellen. Doch bei der Ankunft kommt die Sonne raus und wir haben bestes Fotolicht. Umgeben von Wäldern geht der Gletscher direkt bis ans Meer. Schon 10km vorher  treiben die ersten Eisschollen im Wasser die sich immer mehr zu bizarren Gebilden auftürmen je näher wir rankommen. Unser Skipper navigiert sicher durch das Eis und wir kommen so ziemlich dicht ran. Ein großer See Leopard, wir wussten bis dahin gar nicht, dass es so ein Tier überhaupt gibt,  sonnt sich auf einer Scholle und lässt sich auch von uns nicht aus der Ruhe bringen. Wir sind heute die einzigen Besucher, was das Ganze irgendwie noch schöner macht, und natürlich gibt es auch „Whisky on original glacier ice“. Bevor wir uns auf den Rückweg machen verweilen wir noch einige Zeit zwischen den Eisschollen und schauen zu wie immer wieder mit mächtigem Getöse das Eis vom Gletscher abbricht und ins Meer rauscht. Auf der Rückfahrt macht unser Skipper bei heftigem Seegang einen Fahrfehler und wir tauchen mit dem Bug voll ein. Die Frontscheibe ist dem Wasserdruck nicht gewachsen und fliegt raus. Das Wasser rauscht ins Boot und wir werden „etwas“ nass. Aber sonst passiert Gottseidank nichts.

Für die Nacht stellen wir uns wieder an den schönen Platz am See bevor wir dann am nächsten Tag das Exploradores Tal verlassen. Zurück in Puerto Rio Tranquillo machen wir noch eine Bootstour zu den Marmorkapellen auf dem Lago Carrera. In Hunderten Millionen Jahren sind dort einzigartige Felsformationen und Höhlen aus hellem, vieladrigem Marmor entstanden die sich im Wasser widerspiegeln, und mit dem Boot kann man in die Höhlen hineinfahren. Ein tolles Erlebnis.

Wir fahren die Carretera Austral weiter in Richtung Süden an Seen und Flüssen entlang  durch eine grandiose Landschaft umgeben von schneebedeckten Bergen. Immer wieder finden wir schöne Stellplätze am Fluss. Weiter geht es bis Cochrane und von dort dann durch das wunderschöne Chacabuco Tal über den Paso Roballo nach Argentinien. Kurz vor der Grenze kommen wir an eine Brücke die wohl defekt ist. Ein Schild weist daraufhin, dass max. 1 Tonne erlaubt ist. Wir schauen die Karte an und errechnen einen Umweg von 300km offroad Piste. Ich räume das Schild weg und mit Vollgas fahren wir rüber. Der Zöllner an der chilenischen Grenze hat uns dann etwas fassungslos angeschaut und wollte wissen wie wir über  „La Puente“ gekommen sind. Wir glauben, wenn wir von der anderen Seite gekommen wären, hätte er uns wohl nicht weiterfahren lassen. Na ja, Glück gehabt.

Die Landschaft wird nun eintöniger und geht langsam in die Pampa über. Selbst die Schafe tun sich hier schwer was Essbares zu finden. Dementsprechend dünn ist das Gebiet auch besiedelt. Dafür sehen wir Unmengen von Guanacos und Nandus, und ab und zu kreuzt ein Fuchs, Hase, oder Gürteltier den Weg. Unterwegs  machen wir noch einen Abstecher zu den „Cuevas de las manos“, Höhlen der Hände. In der Schlucht des Rio Pinturas, die ca. 9500 v. Chr.  bis 1000 nach Chr. besiedelt war, haben hier die indianischen Ureinwohner zahlreiche Malereien hinterlassen die zu den ältesten menschlichen Zeugnissen in Südamerika gehören. Zu sehen sind Tierdarstellungen und Negativ-Drucke von Handflächen in verschiedenen Farben. Die Höhlen und auch die Umgebung sind sehr beeindruckend und eine schöne Abwechslung in der Eintönigkeit der Pampa.  

Durch ödes Brachland und endlose Straßen, die dafür aber ausnahmsweise mal neu geteert sind, geht es weiter in den Nationalpark Perito Moreno, der nur 1200 Besucher  pro Jahr zählt. Das liegt wohl primär auch an der schwierigen Anfahrt. Von der Ruta 40 geht eine 90km unbefestigte Stichstraße  bis zum Parkeingang. Als wir morgens wach werden liegt Schnee und es weht ein eisiger Wind mit gefühlten -10Grad. Wir fahren zu einem schönen Aussichtspunkt aber der Wind ist so stark, dass wir die Türen kaum öffnen und schließen können und selbst unser 11 Tonnen MOMO wackelt bedenklich. Wir übernachten im Windschatten des Rancher Hauses und versuchen am nächsten Tag nochmal unser Glück bei einem weiteren Aussichtspunkt. Die Umgebung ist traumhaft und die Seen und Berge leuchten in bestem Licht. Aber bei Windgeschwindigkeiten von ca. 120km/h ist selbst die kleine Wanderung, die wir uns gönnen, eine echte Herausforderung.

Nach drei Tagen geben wir auf, verlassen den Park und fahren nach El Calafate, auch Welthauptstadt der Gletscher genannt, dem Ausgangspunkt für die Highlights im Süden, die wir uns in den nächsten Wochen gemeinsam mit unserem Sohn Michael anschauen wollen. Wir verbringen zwei Tage in der Stadt und sind etwas irritiert, weil wir so viele Menschen schon lange nicht mehr auf einem Haufen gesehen  haben. Da Michael erst am 14.12. kommt, fahren wir an den wunderschönen Lago Roca und vertreiben uns die Zeit mit Blick auf Berge und Gletscher, Angeln, Wandern und nichts tun. Wie es uns im äußersten Süden von Patagonien mit den imposanten Sehenswürdigkeiten wie dem Fitz-Roy Massiv, riesigen Seen, kalbenden Gletschern und der südlichsten Stadt der Erde so ergeht, erfahrt ihr dann wie immer im nächsten Blog. Bis dahin. Hasta Luego.

Was gibt es sonst noch Neues?

Routenverlauf und MAP Downloads sind aktualisiert bis El Calafate

Und hier noch einige Schnappschüsse

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Kommentare: 14
  • #1

    die Singers (Freitag, 13 Dezember 2013 23:27)

    Liebe Karin, lieber Manfred,
    Freitag Abend vor dem kuscheligen Kamin und es macht pling. Da kommt doch tatsächlich der neue Newsletter von den Ausreisern. Gleich sind wir wieder hellwach und schauen uns zusammen mit Lisa die neuesten Bilder an. Wie immer freuen wir uns über die tollen Fotos und eure Erfahrungen.
    Wir wünschen euch weiterhin eine gute Zeit, genießt die Tage mit Michael. Ein schönes Weihnachtsfest, wir sind im Geiste immer mit on the road.

  • #2

    bernhard (Samstag, 14 Dezember 2013 00:23)

    Hallo Karin und Manfred,
    bevor euer Sohn kommt , möchte ich euch die einsamen Stunden noch verkürzen ;-)) -- das ist ja eine tolle Landschaft, durch die ihr da recht gemütlich fahrt. Das Plätzchen zwischen den Pappeln hätte mir auch gefallen. Und Gottvertrauen legt ihr mit eurer rasanten Fahrt über diese Leichtbau-Brücke auch an den Tag ! - ob ich mich das getraut hätte ? - ich weiß nicht... Hoffentlich müsst ihr nicht so viele soclher Entscheidungen treffen.
    Regina und ich wünschen auch ein schönes Weihnachtsfest ! Auch bei uns gibt es "Familien-Zusammenführung"-- wenn auch nicht mit so weiter Anreise --- bleibt munter !

  • #3

    Anna Singer (Samstag, 14 Dezember 2013 08:04)

    Liebe Karin u Manfred,
    beim Anschauen der Fotos werde ich ganz wehmütig! Weiterhin eine schöne Reise und ein frohes Weihnachtsfest.
    Komm grad vom Nachtdienst und muß jetzt schlafen!

  • #4

    Karin und Heiner (Samstag, 14 Dezember 2013 08:47)

    Ihr Lieben,
    das sind ja mal wieder umwerfende Bilder von fantastischen Landschaften!
    Wir freuen uns mit euch auf schöne Erlebnisse zu dritt und wünschen euch von Herzen frohe Weihnachten und alles Gute für ein gesundes, spannendes neues Jahr.
    Liebe Grüße

  • #5

    Elke und Peter (Samstag, 14 Dezember 2013 11:32)

    Hallo zusammen,
    tolle Landschaft und tolle Bilder. Man sollte euch nachreisen !!!
    Ein frohes Weihnachtsfest und alles erdenklich Gute für das
    kommende Jahr und für die noch vor euch liegenden Routen.

    Mit den besten Grüssen ,auch an den Sohn.

    Elke und Peter

  • #6

    Margit und Manni (Sonntag, 15 Dezember 2013 12:27)

    Hi ihr zwei.
    Danke für den erlebnisreichen Bericht und die tollen Aufnahmen. Es ist immer wieder schön auf diese Art bei euch zu sein.
    Wir wünschen euch ein schönes Weihnachtsfest hier aus Old Germany und fürs neue Jahr weiterhin nur das Beste bei der Reise.
    Genießt die Zeit mit Michael.
    Einen Mega Adventsdrücker Margit und Manni

  • #7

    Iris (Dienstag, 17 Dezember 2013 20:07)

    Hallo Ihr Zwei. Wie immer tolle Bilder und ein wunderschöner Bericht. Auch bei mir kommt da etwas Wehmut auf. Ich wünsche euch ein schönes Weihnachtfest (sicher diesmal ganz anders) und eine glückliche und gesunde Weiterreise. .. Ich behalte euch im Blick . LG aus Sachsen von Iris

  • #8

    Lili und Patrick (Mittwoch, 18 Dezember 2013 15:46)

    Hallo,
    Wir haben euren Monstertruck in El Chaltén gesichtet.
    Wir wünschen euch eine super tolle und erlebnisreiche Weiterreise! Lieber Gruss von Schweizer Reisenden :-)

  • #9

    Leyendecker-Hellfors-Family (Mittwoch, 18 Dezember 2013 22:54)

    Hallo ihr Ausreiser!
    wie geht es denn weiter? Seid Ihr schon in Ushuaia? Sind Euch gerade auf der Karte gefolgt und fragen uns, ob Ihr mit der Fähre und zweimaligem Grenzübertritt in die südlichste Stadt gelangt seid? Schon bei Wikipedia sieht das ja toll aus - da freuen wir uns doch auf die Bilder des tollen Fotografen. Leider sind die letzten Feuerlandindianer ja schon ausgestorben!! Eine gute Reise wünschen wir Euch .... bis die Tage .....

  • #10

    Anne (Montag, 23 Dezember 2013 22:15)

    Hallo, Ihr Lieben, ich genieße es sehr, immer ganz aktuell von Euch zu hören und so fast ein wenig mit dabei zu sein auf Euren Touren durch diese wunderschönen Landschaften. Manchmal bin ich aber auch froh, nicht ganz so nah dabei zu sein..... z. B. als ihr "etwas" nass wurdet - oder diese Stürme brauche ich auch nicht so ganz nahe... Genießt die Zeit mit Michael und schöne Weihnachten - falls iihr davon überhaupt etwas mitbekommt. Liebe Grüße und weiterhin stets sichere und gute Fahrt,
    Anne

  • #11

    Uli Franke (Dienstag, 24 Dezember 2013 13:38)

    Liebe Karin, lieber Manni,

    Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins Neue Jahr.

    Marion und Uli

  • #12

    Marion und Willy (Dienstag, 24 Dezember 2013 18:02)

    Frohes Fest und ein gutes neues jahr wünschen die aus der Bgm.-Schwaigerstrasse

  • #13

    Jürgen (Sonntag, 12 Januar 2014 22:30)


    Der elfte:

    Trinkt man einen Whisky auf Gletschereis,
    dann wird’s einem gleichzeitig kalt und heiss:
    Von Nordamazonien
    bis Südpatagonien
    gibt’s kaum etwas besseres, soviel ich weiss!

    (Zum Neuen Jahr ein Spätzünder: sorry! Hab’ Euch trotzdem lieb!)

    PP

  • #14

    Angela (Donnerstag, 16 Januar 2014 19:29)

    Hallo Karin,
    habe erst kürzlich von eurem Abenteuer gehört.Ich wünsche euch viele schöne Erlebnisse und Eindrücke auf eurer Reise. Die Bilder sind toll!!!
    Liebe Grüße aus Köln
    Angela

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