Do

13

Feb

2014

Auf dem Weg nach Norden

In Feuerland haben wir ja ausreichend Wind und Kälte abbekommen und deshalb hätten wir es gerne in nächster Zeit bitte etwas wärmer und weniger windig. Im Januar und Februar ist hier ja Hochsommer, aber außer Einheimischen, die bei 10 Grad und heftigem Wind in kurzer Hose und T-Shirt rumlaufen, sehen wir erst mal nichts davon.

Wir bringen unseren Sohn in Rio Gallegos zum Flughafen und fahren an der Küste weiter nach Norden. Auf unserem Weg liegt unter anderem auch der Nationalpark Monte Leon. Hier brüten von Oktober bis April über 75.000 Mangellan Pinguine und ziehen ihre Jungen groß bis sie ihr „Babyfell“  verloren haben und dann den ersten Schwimmunterricht nehmen dürfen. Der Strand ist übersät mit Pinguinen und an einer anderen Bucht sehen wir eine kleine See-Löwen Kolonie und tausende von Kormoranen. Nachts findet der Puma hier reichlich Beute und das ist wohl auch der Grund dafür, dass man im Park leider nicht übernachten darf.

Wir bleiben ein paar Tage in Puerto Santa Cruz bevor wir weiter fahren nach San Julian in deren windgeschützter Bucht  einst Mangellan Schutz suchte und, nachdem er zwei Meuterer hat vierteilen lassen, die erste heilige Messe auf dem Südkontinent lesen ließ. Ein Nachbau seines Schiffs mit lebensecht wirkenden Figuren ziert daher auch den Strand an der Hauptstraße. Eine ziemlich wilde Piste führt uns dann über 40km an der Küste entlang, mit einsamen Stränden und Steilküsten an denen sich Robben und See-Löwen tummeln.

Zurück auf der Hauptstraße geht es weiter durch endlose Pampa. Seit Rio Gallegos befinden wir uns in der Region Santa Cruz. Diese ist die zweitgrößte Provinz Argentiniens, aber gleichzeitig auch die am dünnsten besiedelte. Man stelle sich eine Fläche vor die so groß ist wie die alte Bundesrepublik, aber weniger Einwohner hat als Karlsruhe. Das ist dann so, als kämen auf einer Fahrt von München nach Hamburg zwei Tankstellen vorbei und ansonsten ist rechts und links nur Steppe. Einige Viehgatter weisen auf vereinzelte Schaf Estancias hin. Um dort hinzukommen müsste man aber nach dem Gatter noch 30-50kmweiter fahren.

Unterwegs machen wir einen kleinen Abstecher von 50km zu den „Bosques Petrificados“. Vor 150 Millionen Jahren wurden hier die Wälder durch Vulkanausbrüche unter einer 20m dicken Ascheschicht begraben und im Laufe der Jahrmillionen mineralisiert / versteinert.  Durch Erosion wurden die Bäume dann nach und nach wieder freigelegt. Sie haben zum Teil einen Durchmesser von 3m und sind bis zu 35m lang. Davor haben wir noch eine Nacht auf einem wirklich sehenswerten Campground im Nirgendwo verbracht.  Eine Kulisse wie am Beginn des  Films „Spiel mir das Lied vom Tod“. Bei strahlendem Sonnenschein verbringen wir den Tag in der Hängematte und im Hintergrund hören wir das Windrad quietschen. Der Besitzer des Campgrounds zeigt mir stolz seinen noch funktionstüchtigen Ford von 1975 und ein Auto von 1941, das eigentlich direkt ins Museum gehört.

Mittlerweile ist es tatsächlich richtig warm geworden und wir nehmen zum ersten Mal unsere Klimaanlage im Führerhaus in Betrieb. Wieder auf der Hauptstraße machen wir etwas später einen weiteren kleinen Abstecher von 120km nach Puerto Deseado. Die Landschaft dort zählt zu Patagoniens wichtigsten Meeresschutzgebieten und entsprechend findet man hier auch Meerestiere in Hülle und Fülle. Mit einem großen Zodiac Schlauchboot und 20 anderen Reisenden machen wir eine Tagestour zur Pinguininsel. Dort verbringen wir einige Stunden und können zwischen den Mangellan Pinguinen umherlaufen und sehen die einzige Rock Hopper Pinguin Kolonie außerhalb der Antarktis. Man könnte stundenlang zuschauen wie sie mit ihrer witzigen Punker Frisur die Felsen rauf und runter hopsen.

Wir haben nun erst mal genug  von Meeresgetier aller Art und legen zwei Fahrtage ein, die uns 600km westwärts an die Berge bringen, und über die Grenze bis nach Chile. Vom Lago Carrera aus fahren wir 50km über eine üble Schotterpiste durch ein malerisches Tal bis zum Lago Jeinimeni. Dort verbringen wir ein paar wunderschöne Tage und machen einige ausgedehnte Wanderungen in herrlicher Umgebung.

Mit der Fähre geht es dann über den Lago Carrera nach Puerto Ibanez und von dort weiter über eine Nebenstraße nach Cerro Castillo. Der Himmel ist wolkenlos und die Fahrt geht durch eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch. Vor uns der Blick auf den Cerro Castillo mit seinen schneebedeckten Gipfeln und hängenden Gletschern in gerade mal 2000m Höhe, und rechts und links der Strecke windet sich die Straße an Seen und Schluchten vorbei durch dichte Wälder.

In dem kleinen Ort Cerro Castillo schließt sich der Kreis, denn nun sind wir wieder auf der Carretera  Austral wo wir vor gut zwei Monaten, auf unserem Weg nach Süden, schon mal waren. Die Carretera Austral zieht sich über 1200km zwischen Gletschern und haushohen Baumfarnen von Puerto Montt in den feuchtkalten Süden Chiles bis nach Villa O`Higgins. Ab da geht es, zumindest bis heute, nur noch zu Fuß weiter. Weitgehend unbekannte und schwer zugängliche Nationalparks reihen sich aneinander und über allem thronen mit Eiskappen bedeckte Vulkane  von über 3000m Höhe, und in den Bergeinschnitten hängen die Gletscher. Die Straße ist nur zum Teil asphaltiert und ansonsten weitgehend eine raue Schotter –und Erdpiste. Eine kleine Bilderstrecke im Anhang vermittelt euch ein wenig die  Straßenverhältnisse und die Umgebung. Wir kommen wieder durch Coyhaike und machen kurz Station zum Einkaufen, Tanken und was man sonst noch so braucht. Bei strömendem Regen geht es  weiter auf vorerst geteerter Straße nach Norden bevor diese dann, ab der Abzweigung nach Puerto Cisnes, in eine üble Erdpiste übergeht. In Serpentinen geht es rauf und wieder runter und die Straße ist so schmal, dass zwei Autos nur mit Mühe aneinander vorbeikommen. Wir kommen nun in den Nationalpark Querulat und wenn man mal von der Straße absieht, wird für das Auge einiges geboten. Die Vegetation ist üppig mit großen Farnen und saftig grün, wie im Urwald. Überall rauscht Wasser die Hänge runter und Gletscher hängen in den Bergeinschnitten auf nicht mal 2000m Höhe. An einem schönen Platz am Fluss richten wir uns häuslich ein und beschließen, den Regen auszusitzen, da der Park einige sehr schöne Wanderungen zu bieten hat und die wollen wir natürlich in bestem Fotolicht und bei Sonnenschein genießen. Doch als wir am nächsten Morgen aus dem Fenster schauen ist der Fluss über die Ufer getreten und wir stehen mit MOMO 20cm im Wasser. Da wir nicht einschätzen können wie weit der Wasserpegel noch steigt fahren wir zur Sicherheit etwas vom Ufer weg. Das mit dem Regen Aussitzen klappt dann auch nicht wirklich und nach drei Tagen fahren wir weiter. Immerhin sind heute mal ein paar Regenpausen und wir können zumindest eine kleine  Wanderung im Park machen und uns einen hängenden Gletscher aus der Nähe anschauen.

Wir fahren weiter, aber die Straße wird nicht besser, das Wetter auch nicht und die Landschaft versinkt im Wasser.  Zu allem Übel kommt dann noch eine „kleine“ Baustelle von ca. 70km und für die, mit Schlaglöchern übersäte Schlammpiste, brauchen wir alleine fünf Stunden. Langsam macht sich Frust breit, denn von der herrlichen Landschaft, die  im Sonnenlicht sicher toll aussieht, sehen wir nicht viel und an größere Wanderungen ist gar nicht zu denken. Schließlich kommen wir nach Chaiten. Der Ort, mit damals 4000 Einwohnern, wurde am 2.Mai 2008 bei einem Vulkanausbruch unter einer Ascheschicht begraben und erholt sich nur langsam davon. Überall sieht man noch die Verwüstungen die der Ausbruch angerichtet hat. Das Wetter wird nun besser und auf einem schönen Campinglatz im Pumalin Nationalpark, mit Blick auf hängende Gletscher und den rauchenden Vulkan, machen wir ein paar Tage Rast, genießen die schöne Umgebung und machen eine Wanderung zu den Alerces Bäumen, die bis zu 4000 Jahre alt sind.

Mit mehreren Fähren geht es dann weiter über Hornopiren bis zum Ende der Carretera Austral in Puerto Montt. Eine sehenswerte, sehr wilde und nicht einfach zu bereisende, Landschaft und einzigartige Naturerlebnisse liegen hinter uns. Bevor wir nun weiter im Norden die Seengebiete erkunden machen wir erst noch einen Abstecher zur Insel Chliloe. Aber das berichten wir euch dann im nächsten Blog. Bis dahin. Hasta luego.

Carretera Austral - Eine Herausforderung für Mensch und Material

Hier noch ein paar Schnappschüsse

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Kommentare: 26
  • #1

    Anna Singer (Freitag, 14 Februar 2014 08:27)

    Hab wie immer mit Freude und Begeisterung euren Bericht gelesen und die schönen Fotos angeschaut! Weiter viel Spaß und gute Fahrt!

  • #2

    Jürgen (Dienstag, 18 Februar 2014 17:52)


    Der dreizehnte:

    Neidvoll entdeckte der Pinguin
    den Manni dort grinsend im Wasser drin:
    So’n Schirmchen, so’n kleines,
    das wär’ schon was feines!
    Wenn’s regnet, dann wäre mein Frack nicht hin!

    (Zu Bild Nr.3/21 - Modell 1941: Ist das eine frühe Vorgängerversion von MOMO als Cabriomodell?)

    PP

  • #3

    Margit (Freitag, 21 Februar 2014 18:58)

    He ihr zwei.
    Wieder mit Freude gelesen und gesehen, es geht euch gut.
    Bei uns beginnt nun die 5. Jahreszeit.
    Narri Narro bis bald.
    Liebe Grüße Margit

  • #4

    Jutta (Samstag, 01 März 2014 14:11)

    Endlich mal im Auto (als Beifahrer) Eure Blocks gelesen. Immer wieder beeindruckend. Wir stehen gerade aus Ischgl kommend im Stau. Nix mit Einsamkeit. Ich melde mich am Wochenende per Mail mal länger.
    Liebe Grüße
    Jutta

  • #5

    Karin und Heiner (Sonntag, 02 März 2014 15:02)

    Wahnsinn, was ihr so alles erlebt und seht.
    Bleibt gesund, genießt Südamerika und berichtet weiterhin so interessant mit tollen Fotos!
    Liebe Grüße :)

  • #6

    Angela (Sonntag, 09 März 2014)

    Weiterhin eine gute und spannende Reise kölle allaaf und liebe Grüße Angi

  • #7

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