Im Reich der Vulkane und Salzseen 

Nach unserem Aufenthalt in Cordoba fahren wir weiter in den Nordwesten von Argentinien. Die Gegend ist zum großen Teil nur dünn besiedelt, bietet aber grandiose Landschaften die einem, nicht nur wegen der Höhe von bis zu 4500m, den Atem rauben. 

Auf unserem Weg liegt die Estancia Santa Catalina, eine der schönsten Jesuiten-Estancias auf der Liste der Unesco-Weltkulturstätten und als einzige in Privatbesitz. Die Anfahrt von 15km über eine holprige Erdpiste ist die Mühe wert und wir können eine besonders kostbare Kirche aus dem 18. Jahrhundert im Stil des mitteleuropäischen Barock bewundern. Im Restaurant sind wir die einzigen Gäste und lassen uns Steak mit Salat schmecken und trinken dazu selbst gebrautes Bier mit einem deutschen Etikett. 

In Capilla del Monte verbringen wir 3 Tage am See und erkunden die Gegend mit dem Fahrrad. Wir warten auf eine Begegnung der dritten Art, denn hier erzählen sich auch ganz normale Leute Geschichten über seltsame Lichter am Nachthimmel. Anfang 1990 bezeugten 300 Menschen ein Raumschiff gesehen zu haben, das eine Brandspur von 42m Durchmesser hinterließ. Was auch immer man glauben mag, der Tourismus Branche von Capilla del Monte schadet der ganze Hype nicht. In der Hauptsaison kommen bis zu 1000 Besucher pro Tag und hoffen auf eine UFO Begegnung. Leider hat es bei uns nicht geklappt, aber auch ohne Außerirdische ist die Stadt und die Gegend sehr schön, wie zum Beispiel die Grutas de Ongamira, oder die bizarren Sandsteinformationen von Los Torrones. Wir machen dort eine 2-stündige Wanderung mit Führer und sehen jede Menge Kondore aus nächster Nähe. Und in San Marcos Sierra scheint die Zeit in den 70ern stehen geblieben zu sein. Hippies prägen das Straßenbild und es gibt sogar ein Hippie Museum. Wir bummeln rum und fühlen uns wie früher, aber irgendwie kommen wir uns falsch gekleidet vor. Nicht weit vom Ort finden wir einen tollen Stellplatz am Fluss. Wir bekommen Besuch von Ziegen, Schweinen und Rindviechern und weil es so schön ist bleiben wir gleich ein paar Tage und genießen das herrliche Frühlingswetter. 

In La Falda besuchen wir Walter Metzke, den wir letztes Jahr bei den Thermen von Fiambala kennengelernt haben. Walter bietet Touren und Expeditionen an www.almagaucho.com und wir bekommen von ihm gute Tipps für unsere Weiterreise ins Reich der Vulkane und Salzseen und verbringen einen netten Abend miteinander. Nun müssen wir mal ein wenig Gas geben, schließlich haben wir ja noch einiges vor bevor wir Hundert werden und fahren 500km weiter über La Rioja bis in die Provinz Catamarca. Einen Teil davon, die Gegend um Cafayate und Cachi haben wir letztes Jahr schon bereist. Nun wagen wir uns in weitgehend unbewohntes Gebiet. Über Londres und Belen geht es nach Hualfin. Dort machen wir auf 1700m ein paar Tage Pause zum Akklimatisieren an den Termas de la Quebrada. Der Westen von Catamarca, von Hualfin bis San Antonio de los Cobres, ist so gut wie unerschlossen und man bewegt sich in der Regel auf Höhen von 3000m bis 4500m. Die rund 1000km lange Route, die Ruta de la Puna, wird oft als die einsamste Strecke der Welt bezeichnet.  Unser erster Stopp nach Hualfin ist die Laguna Blanca auf 3200m. Wir finden einen tollen Stellplatz direkt am Ufer in einer wunderschönen Landschaft und genießen den Ausblick auf die umliegenden Berge und die Flamingos. 

In dem kleinen Ort El Penon verlassen wir die Hauptroute und fahren 30km Piste durch eine atemberaubende Mondlandschaft zum Campo de Piedra Pomez, einer Bimssteinformation mit gigantischen Ausmaßen

Weiter geht es durch Vulkanlandschaften mit erstarrter Lava nach Antofagasta de la Sierra, dem einzigen etwas größeren Ort auf der Route mit ca. 1000 Einwohner auf 3300m und man glaubt es kaum, freiem Internet an der Plaza. Wir übernachten 5km außerhalb an der Lagune und besuchen am nächsten Tag das sehr beeindruckende Mineralien Museum. Am Nachmittag fahren wir bis auf 4500m und wollen dort in der Felsenlandschaft  übernachten. Leider macht uns die Höhe einen Strich durch die Rechnung. Die Luft wird knapp, unsere Herzen rasen und wir müssen gegen 23:00 Uhr wieder 1000m tiefer fahren.  Die Gegend um Antofagasta de la Sierra ist übersät mit mehr als 100 Vulkanen die aus der Hochebene empor ragen. Der größte von ihnen, der Vulkan Galán soll vor 60 Millionen Jahren durch seinen Ausbruch das Aussterben der Saurier in ganz Südamerika verursacht haben. Sein Krater, mit einem Durchmesser von 40km einer der größten der Erde, wurde erst auf Satellitenbildern entdeckt.  

Wir bleiben noch einen Tag in Antofagasta an unserem schönen Platz an der Lagune bevor es über  eine „4*4 only“ Strecke weiter geht über einen Pass bis auf 4600m und dann wieder runter nach Antofalla auf 3300m. Die Landschaft auf den 80km ist einfach gigantisch und der Ausblick vom Pass auf den Salar mit den umliegenden schneebedeckten 6000ern ist mit Worten nicht zu beschreiben.  Wir machen noch einen kleinen Abstecher zu den Ojos de Campo, mehreren Wasserlöchern am Rande des  Salars die in tiefblau und orange leuchten. In Antofalla treffen wir Jutta und Klaus die eine 4-wöchige Rundreise in Südamerika machen und verbringen mit ihnen einen netten Abend im Gemeindehaus des Ortes. 

Die nächsten Tage geht es dann genauso atemberaubend weiter. Über Tolar Grande fahren wir bis San Antonio de los Cobres. Einsame Bergstrecken bis hoch auf 4500m, Salzseen, Wüsten ähnliche Gegenden und bizarre Steinformationen. Unglaubliche Eindrücke. So stellen wir es uns auf dem Mond oder Mars vor. Damit verglichen ist die Strecke die wir zurücklegen müssen um diese Landschaft zu erleben, ja eigentlich gar nicht so weit. Kaum zu glauben, dass man es vor mehr als 70 Jahren geschafft hat in dieser Gegend in mehr als 27 Jahren eine Bahnlinie bis nach Chile zu bauen. Bis zur Grenze hatte die Strecke 1328 Kurven, 44 Brücken und Viadukte, sowie 21 Tunnel. Verlegt wurde das Ganze auf 855 000 Schwellen. Heute fährt „der Zug in den Wolken“ (tren a las nubes) nur noch einmal pro Woche für die Touristen. Start ist in Salta auf 1200m ü.M. und der Endpunkt ist das beindruckende Viadukt “La Polvorilla” kurz hinter San Antonio de los Cobres auf 4200m ü.M. Wir haben das Viadukt besichtigt und sind auch bis nach oben auf die Brücke gestiegen. Ein wahrhaftig atem(be)raubendes Erlebnis. 

Von San Antonio de los Cobres geht es dann 2000m hinunter bis nach Salta. Dort müssen die Vorräte wieder aufgefüllt werden und MOMO braucht eine Komplettreinigung. Auch das Abenteuer „Friseurbesuch“  steht mal wieder an. Auf dem Campingplatz treffen wir Petra und Stefan wieder, mit denen wir in den letzten 15 Monaten schon mehrmals nette und feucht fröhliche Abende verbracht haben. Wir verbringen hier nun einige Tage bevor es dann weiter geht Richtung Norden nach Bolivien. Wie es uns dabei so ergeht und was wir alles erleben erfahrt ihr dann wie immer im nächsten Blog. Hasta luego. 

Und hier noch einige Schnappschüsse

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Kommentare: 5
  • #1

    Karin und Heiner (Freitag, 29 August 2014 08:07)

    Jetzt gibt´s aber bald keine Steigerung mehr - WOW!!!
    Alles Liebe
    Karin und Heiner

  • #2

    Anna Singer (Freitag, 29 August 2014 09:17)

    Schön,dass es wieder weiter geht! Wie immer tolle Fotos und interessante Berichte.Weiterhin gute Fahrt!
    Liebe Grüße
    Anna

  • #3

    Bärbel & Jens (Freitag, 29 August 2014 12:19)

    TOLL - wie immer.
    Macht Lust auf mehr.
    Liebe Grüße

  • #4

    Eva + Michael (Freitag, 05 September 2014 20:20)

    Hallo ihr Beiden!
    Man möchte gleich auch losfahren.....
    Wunderbare Fotos ,die wirklich Lust auf mehr machen.
    Wir freuen uns ,daß es euch gut geht!
    Herzliche Grüße:-)

  • #5

    Margit (Montag, 08 September 2014 22:33)

    Hi ihr Zwei.
    Sprachlos über so viel Schönheit.

    Liebe Zeller Grüße Margit und Manni