Unterwegs in Peru

Nachdem wir uns mehr als 4 Wochen in der Gegend um Cusco aufgehalten haben machen wir uns auf den Weg zum Colca Canyon, angeblich die tiefste Schlucht der Welt, also tiefer als der Grand Canyon, aber wohl nur je nachdem von wo man misst. 

Die Attraktion dort sind die Kondore die sich am Morgen aus der Schlucht mit den Aufwinden in die Höhe tragen lassen, sagt man.... Die Wegstrecke dorthin ist schwierig und weitgehend unbefestigt und mal wieder eine Tortur für Mensch und Material. Endlich am Ziel wird erstmal, wie überall in Peru, kräftig Eintritt verlangt. Wir übernachten auf dem Parkplatz am Canyon und stehen morgens um 7 Uhr an der Kante um die vielen Kondore zu beobachten. Gegen 9 Uhr kommt dann auch tatsächlich einer angeflogen, ist aber ein junger und sehr klein. Wir bekommen also leider bestätigt, was wir schön von anderen Reisenden gehört haben, viel Geld für nix. Spektakulär ist anders und einen Vergleich mit dem Grand Canyon hält der bei weitem nicht Stand, auch wenn die Fahrt durch die Schlucht das eine oder andere Highlight bietet. 

Wir fahren weiter über einen 4900m Pass nach Arequipa, angeblich eine der schönsten Städte Perus und mit gut 1,3 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt. Dort machen wir Station im sehr zentral gelegenen Hostel Mercedes, die freundlicherweise ihre Wiese auch für Camper zur Verfügung stellen. Arequipa ist wirklich ein Schmuckstück und der historische Stadtkern mit den alten Kolonialgebäuden sehenswert. Einzigartig ist die mächtige Kathedrale, die die gesamte Breite der Hauptplaza einnimmt. Wir bummeln durch die Straßen, lassen das Stadtleben auf uns wirken und genießen die guten Restaurants. Im Museum der katholischen Universität bestaunen wir die sehr gut erhaltene Eismumie Juanita, ein 12-14 Jahre altes Mädchen, das 1995 in 6300m Höhe gefunden und zur Inkazeit den Göttern geopfert wurde. Eine Hauptattraktion ist das Kloster Santa Catalina. Dieses nimmt ein komplettes Stadtquadrat ein und ist mit über 20.000qm praktisch eine Stadt in der Stadt.  Wir machen einen Rundgang mit einem deutschsprachigen Führer und lernen dabei viel über das Klosterleben im 15ten und 16ten Jahrhundert. 

Auf unseren Stellplatz kommen am nächsten Tag noch Martin, ein junger Argentinier aus Ushuaia der mit seinem alten Renault mit Dachzelt unterwegs ist und ein Paar aus England, Daniel & Jess, mit ihren zwei Jungs, Ethan & Noah. Abends sitzen wir zusammen, trinken Wein und tauschen Erfahrungen aus, aber obwohl es tagsüber sehr warm ist, kühlt es doch nach Sonnenuntergang sehr schnell ab und man braucht Pulli und lange Hose. 

Nach 4 Nächten fahren wir weiter, immer am Meer entlang Richtung Lima. Es ist eine trostlose Gegend mit unglaublichen Entfernungen. Ab San Pedro de Atacama im Norden von Chile bis zur Grenze Peru/Ecuador ist praktisch nichts als 3000km öde Wüstenlandschaft, nur unterbrochen durch ein paar grüne Oasen und die 10 Millionenstadt Lima. Eine Distanz wie von Oslo bis Gibraltar. Nach 400km legen wir einen Stopp ein und übernachten in Puerto Inca, einer schönen Bucht mit Sandstrand und kleinem Hotel und weil es dort so schön ist bleiben wir gleich 2 Tage. Auf der Weiterfahrt  machen wir noch einen Stopp beim Cemeterio Chauchilla, einem Gräberfeld aus der Präinkazeit. Die gefundenen Knochen, Schädel und Stoffreste wurden von den Archäologen zusammen getragen und in 12 überdachten Grabkammern zur Schau gestellt. Ein wahrhaft schauriges Erlebnis. Dann geht es weiter nach Nazca. Von der Nazca Kultur 200 v. C. bis 800 n. C. sind hier kilometerlange Linien und geometrische Figuren in das Gestein gezeichnet von denen man bis heute rätselt wie und warum diese entstanden sind. Der Phantasie von Astrologen, Historikern und Mathematikern sind dabei keine Grenzen gesetzt. Gleich am nächsten Morgen um 7:00 und, wichtig!, vor dem Frühstück, machen wir den Überflug über die berühmten Nazca Linien denn diese sind wegen ihrer Größe am besten aus der Luft zu erkennen. In einer kleinen Chessna, in der nur 4 Passagiere Platz haben, sind wir eine gute halbe Stunde unterwegs. Waren wir anfangs noch skeptisch ob es das wirklich so bringt, wurden wir nicht enttäuscht und sind froh, dass wir es gemacht haben, und auch, dass wir vorher nichts gefrühstückt haben. 

Auf der Weiterfahrt machen wir einen kurzen Stopp in der Oase Huacachina, wo sich die Kids bei Sandboarding und Sandbuggy fahren vergnügen. Wir bleiben nur kurz zum Mittagessen und entschließen uns dann eine kleine Nebenstraße bis zum Nationalpark Paracas zu fahren. Die Piste ist der Hammer. Es geht 50km durch eine Wüstenlandschaft wie in der Sahara und kurz vorm Meer ist der Weg dann auch noch zugeweht, aber Dank Allrad und MOMO können wir umfahren. Wir übernachten  am Meer und erleben mal wieder einen tollen Sonnenuntergang. 

Dann sind es noch 250km bis nach Lima wo wir uns in Miraflores im Club Aleman hinstellen können. Die 10 Millionenstadt Lima ist das Chaos schlechthin. Taxi fahren ist eine ständige Gefahr für Leib und Leben und das Überqueren einer Straße als Fußgänger ist ein Abenteuer für sich. Man muss schon sehr entspannt sein um das durchzuhalten. Die Innenstadt um die Hauptplaza mit ihren alten Kolonialgebäuden ist sehr schön und wir besuchen das archäologische Nationalmuseum und das Goldmuseum, wobei das letztere sein Geld nicht wert ist. Lima ist auch berühmt für die gute Küche und wir gönnen uns ein Mittagessen im Nobelrestaurant Astrid & Gaston. Im Club Aleman ist gerade Weihnachtsmarkt und alles fast wie daheim, nur halt bei über 20 Grad. Aber bevor der Nikolaus kommt fahren wir dann doch lieber weiter.  

Da Auto fahren in Peru ein Abenteuer für sich ist hat es mich dazu animiert die nachfolgende Abhandlung über Perus Autofahrer zu verfassen. Ob ihr es glaubt oder nicht, da ist nix beschönigt und wenn ihr irgendwann mal hier unterwegs seid werdet ihr mir zustimmen, dass ich wohl eher untertrieben habe. Liest Du hier: 

Das wichtigste Instrument des Autos ist eine gut funktionierende Hupe. Damit kann man immer und überall, wirklich überall, überholen. Der Durchschnitts Autofahrer in Peru glaubt wohl, dass sich durch sehr intensives betätigen von Hupe und Lichthupe  entgegenkommende Fahrzeuge in Luft auflösen. Dass das nicht funktioniert, kann man an den unzähligen Kreuzen entlang der Highways sehen, stört aber offensichtlich niemanden. Wir verstehen nun auch besser, warum sich die Peruaner vor jeder Kirche im Vorbeifahren, oder Vorbeigehen, bekreuzigen. Die Schutzengel dürfen nämlich auf gar keinen Fall ausgehen. Das Überholen in Kurven und vor total unübersichtlichen Kuppen ist geradezu ein Volkssport. Verkehrsschilder, insbesondere Überholverbotszonen, durchgezogene Linien und Geschwindigkeitsbegrenzungen sind grundsätzlich nur dazu da um ignoriert zu werden. Die Ampeln zählen bei Rot die Sekunden runter, eigentlich eine tolle Sache, aber wer  bei 3Sek nicht  losfährt läuft Gefahr angeschoben zu werden. Die Bedienungsanleitungen für den Blinker, sofern sie überhaupt funktionieren, sind wohl generell nicht beigepackt. Schließlich muss der Hintermann ja wissen wo man lang will. Ebenso glaubt wohl der Peruanische Autofahrer, dass Licht der Batterie schadet und lässt es daher, auch nachts, einfach aus. In größeren Städten gilt grundsätzlich das Motto, „wer bremst verliert“. Und mittendrin dann noch die kleinen 3-rädrigen Moto Taxis, die immer noch irgendwo eine Lücke finden. Wer also von euch „Need for Speed“ mal live erleben möchte ist in Peru herzlich Willkommen. 

Wir fahren weiter gen Norden durch nichts als endlose und öde Wüstenlandschaft. Mittendrin wohnen die Menschen in Bretterverschlägen und schaffen es tatsächlich auf dem trockenen Boden auch noch was anzupflanzen. Eine Piste führt 8km landeinwärts zum Reserva National de Lachay. Von August bis Dezember verwandelt sich hier der Wüstenboden durch Kondensation des Nebels, der vom Meer aufsteigt, in eine grüne Oase.

Unser nächstes Ziel ist Caral, eine der ältesten Stadtanlagen Amerikas die auf 2626 v. Ch. datiert wird, also ungefähr in der gleichen Zeitepoche wie der Bau der Cheops Pyramide in Ägypten. Von den terrassierten Pyramiden ist allerdings, außer ein paar Steinhaufen, nicht mehr viel zu sehen. So ganz langsam haben wir genug gesehen von den Kulturen der Chavin, Paracas, Nazca, Moche, Tihahunaco, Wari, Chimu und Inkas und den Hinterlassenschaften der darauf folgenden spanischen Kolonialherrschaft. Ohne die wirklich zum Teil sehr sehenswerten Überreste der verschiedenen Kulturen in Peru schmälern zu wollen, was ein wenig stört, ist die offensichtliche Abzocke. Die Peruaner schaffen es aus jedem Steinhaufen eine Attraktion zu machen und lassen sich dafür auch noch unverhältnismäßig und fürstlich entlohnen. Das musste jetzt mal raus, aber vielleicht haben wir auch nur schon zu viel gesehen und sind reif für die Insel....

Um der öden Wüstenlandschaft zu entgehen entschließen wir uns nochmal für einen Abstecher in die Berge zur Cordillera Blanca, einem Hochtal umgeben von über 20 schneebedeckten Sechstausendern. Also mal wieder tief Luft geholt und hoch geht es von 0m auf über 3000m. Leider macht uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Ist es unten am Meer noch einigermaßen sonnig und warm empfangen uns oben Sturm und Regen. Wir harren zwei Tage in Huaraz aus, aber es wird nicht besser. An einen Ausflug in einige der Seitentäler zu schönen Lagunen ist nicht zu denken. Wir würden uns durch Schlamm und Dreck kämpfen müssen für eine Aussicht die dann gar keine ist. Wir gestehen uns ein, dass der Ausflug in die Berge zur Regenzeit wohl keine gute Idee war und fahren wieder runter. Ein bisschen Abenteuer muss dann aber doch sein und wir fahren durch den Canon del Pato, der Entenschlucht. Eine mehr als spektakuläre Fahrt. Eine einspurige Straße mit einigen Ausweichstellen und 35 Tunneln durch die wir gerade so durchpassen. Auf der rechten Seite geht es ein paar hundert Meter nach unten und links ragen senkrechte Felswände auf. Wir können nur hoffen, dass nicht gerade ein paar Steine abrutschen. Wir haben auch einen kleinen Videoclip darüber gedreht den ihr in der Video Sektion findet. 

Aber wir haben es unbeschadet nach unten geschafft und fahren weiter nach Trujillo an der Pazifikküste. In der Nähe besuchen wir noch den Sonnen und den Mondtempel der Moche Kultur die auf 800 vor Ch. datiert wird. (Huaca del sol, Huaca de la luna) Obwohl schon die Hälfte weggeschwemmt wurde ist der Sonnentempel immer noch der größte alleinstehende präkolumbische Bau in Peru und entstand aus etwa 140 Millionen Lehmziegeln. Die Ausgrabungen sind weiterhin im Gange und immer wieder kommen neue stilisierte Figurendarstellungen zum Vorschein.  Wir machen eine interessante Führung über das Gelände und sind sehr beeindruckt wie gut erhalten das auch nach so vielen Jahren noch ist. Eine weitere Ausgrabungsstätte ist das um 1300 errichtete Chan Chan, mit 26qkm Fläche die größte Lehmziegelstadt der Welt. Während der Blütezeit des Chimu Reiches hatte sie etwa 60.000 Einwohner und unermessliche Schätze an Gold, Silber und Keramik. Obwohl 1925 eine gewaltige Regenflut niederging und dabei viele der wertvollen Adobe Reliefs zerstört wurden, ist das riesige Gelände immer noch sehenswert. Anschließend erholen wir uns in dem kleinen Ort Huanchaco, denn in den letzten zwei Wochen sind wir doch einige Kilometer gefahren und brauchen mal wieder einen Ruhepunkt. Und dann war da noch der Abend an dem wir lecker Fisch essen waren der uns dann für ein paar Tage außer Gefecht gesetzt, und unseren Aufenthalt dort unfreiwillig um ein paar Tage verlängert  hat. 

Wir werden wohl noch ein paar Tage brauchen bis wir wieder gänzlich hergestellt sind und dann Weihnachten 500km von hier ganz im Norden von Peru verbringen, bevor es dann Anfang nächsten Jahres weiter geht nach Ecuador. Aber darüber berichten wir dann wie immer im nächsten Blog.

Wir wünschen allen unseren Lesern und Fans der Ausreiser Seite ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Wir freuen uns, wenn ihr uns auch nächstes Jahr treu bleibt. Um den vielen englischsprachigen Freunden und Bekannten gerecht zu werden steht unsere Seite nun auch zweisprachig zur Verfügung. Dafür mussten wir das Layout geringfügig ändern. Wir hoffen ihr findet euch weiterhin zurecht und die Seite gefällt euch. Bis dann. Hasta luego. 

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Kommentare: 3
  • #1

    prembert@online.de (Montag, 22 Dezember 2014 10:04)

    Hallo Weltenbummler,
    wie immer toller Reisebericht und noch tollere Bilder, weiter so in 2015.
    Auch wir wünschen Euch ein schönes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr. Wir freuen uns auf den nächsten Bericht.

    Alles Gute aus der Heimat wünschen

    Elke und Peter.


  • #2

    Karin und Heiner (Montag, 22 Dezember 2014 14:24)

    Es macht wieder einmal viel Spaß von Erlebnissen zu lesen!

    Liebe Grüße aus München

    Karin und Heiner

    P.S. Bei uns ist es auch fast frühlingshaft ;)

  • #3

    Margit und Manni (Montag, 29 Dezember 2014 23:21)

    Hi ihr zwei,
    wieder ein super toller Bericht und gigantische Fotos. Wir freuen uns
    auch 2015 wieder von euch zu lesen.
    Herzliche Grüße aus Radolfzell Margit und Manni

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