Kanada - British Columbia & Yukon

Nach der Einreise in Kanada geht es erstmal nach Langley bei Vancouver wo wir uns von unseren Michelin XZL Geländereifen inklusive Schlauch und den 20 Zoll Felgen verabschieden. Der Abschiedsschmerz hält sich in Grenzen, da wir in den 5 Jahren damit insgesamt zwölf Reifenpannen gehabt haben. 

Dafür gibt es nun fünf neue schlauchlose Conti mit 22,5 Zoll Felgen und gutem Allwetter Profil. Nach der ersten Probefahrt können wir kaum glauben, dass MOMO nun wie ein S-Klasse Mercedes dahingleitet und die Vibrationen, die uns bereits in Fleisch und Blut übergangen waren, endgültig der Vergangenheit angehören. Schaun‘ wir mal wie sie sich im Alltag bewähren. Anschließend fahren wir, wie letztes Jahr, nochmal nach Mission zu unseren Freunden Harry & Lora die uns wieder mit Weißbier und Rouladen verwöhnen. Vielen Dank ihr zwei für alles.

Nach ein paar schönen gemeinsamen Tagen brechen wir auf zu unserer Revival Tour. 1984 und 1986 sind wir in British Columbia und im Yukon mit Rucksack unterwegs gewesen und wollen nun unseren Spuren von damals folgen und auch noch ganz hoch bis nach Alaska, was wir damals in 6 Wochen Urlaub nicht geschafft haben. In Hope haben wir aber erstmal das Problem eine Kneipe zu finden die das Champions League Halbfinale zwischen Real Madrid und Bayern München, zwischen Eishockey und Basketball zeigt. Tatsächlich werden wir auch fündig. Genutzt hat es leider wieder nichts. Zum vierten Mal in Folge rausgeflogen. Wer regelmäßig unsere Blogs verfolgt, erinnert sich vielleicht, dass ich jedes Jahr um dieselbe Zeit das Problem habe einen Fernseher zu finden. Und als ob das nicht schon genug wäre brennt plötzlich mal wieder eine rote Lampe die eigentlich aus sein muss. Schnell wird klar, der Regler der Lichtmaschine ist hin. Zum Glück sind wir erst zwei Stunden von Langley entfernt und die Service Garage von Hans Mross hat einen Regler auf Lager. Also fahren wir am nächsten Morgen nochmal die hundert Kilometer zurück. Zum Glück ist das Problem schnell beseitigt und wir können nach einer Stunde wieder durchstarten.

Weiter geht es den Fraser River entlang nach Norden, der sich ganz spektakulär am Hells Gate durch eine enge Schlucht drückt. Übernachtungsplätze gibt es massenweise rechts und links am Weg. Nicht so schön ist dabei, dass die Canadian Pacific Railroad beidseitig eine zweigleisige Bahnstrecke betreibt und insbesondere nachts im 30 Minuten Rhythmus Güterzüge von fast 2km Länge durch unser „Wohnzimmer“ rauschen. Und damit nicht genug, vor jedem Bahnübergang wird auch noch kräftig und ausdauernd gehupt. Da wir uns unsere Nachtruhe nur ungern beeinträchtigen lassen versuchen wir also mindesten 5km Abstand zwischen uns und die Bahn zu bekommen. Das hat den Vorteil, dass wir dabei Nebenstrecken fahren und super schöne Plätze finden wie zum Beispiel in Liloeet am See wo der Zeltplatz kostenlos ist und das Feuerholz auch noch geliefert wird. Hinzu kommt tolles Sommerwetter mit stahlblauem Himmel und eine unbeschreiblich schöne Landschaft wo wir gleich mal ein paar Tage bleiben und die Gegend erkunden. So lieben wir Kanada und Erinnerungen an unsere Reisen vor 34 Jahren werden wach. 

Weiter geht es zum Wells Gray Park. Der liegt zwar etwas abseits, aber dort müssen wir einfach hin. Sehr genau erinnern wir uns noch an den strömenden Regen und wie wir unser Zelt unter einem Shelter aufgeschlagen haben damit wir nicht weggeschwemmt werden. Diesmal haben wir mehr Glück. Die Sonne lacht und wir können uns die Wasserfälle, ohne Nass von oben, in Ruhe anschauen. Leider ist der obere Teil des Parks Winter bedingt noch geschlossen und wir können deshalb nicht feststellen ob es den Shelter von damals noch gibt. Damit wir zumindest ein bisschen was von früher haben gibt es am Abend ein kräftiges Gewitter, das wir aber ganz entspannt in MOMO aussitzen. 

Langsam aber stetig geht es den alten Gold Rush Trail auf dem heute gut ausgebauten Highway 97 weiter nach Norden mit Übernachtungen in herrlicher Umgebung. In der Ortschaft 150 Mile House gibt es einen Metzger aus Österreich der so leckere Sachen wie Landjäger, Weißwürste, Leberkäs und vieles mehr hat. Da wir uns vor ein paar Tagen im Liquor Store auch schon mit Paulaner Weißbier eingedeckt haben können wir uns nun auf mehrere gute Brotzeiten freuen.

Unsere nächste Revival Station sind die Bowron Lakes. Hier sind wir 1984 zehn Tage lang in der Wildnis gepaddelt und haben sieben Tage lang keinen Menschen getroffen. Am Ende ist uns dann das Essen ausgegangen und musste rationiert werden. Daran erinnern wir uns noch sehr genau. Heute ist das Ganze total kommerzialisiert und man muss monatelang im Voraus buchen. Eine Stichstraße von 80 km führt uns bei strömendem Regen bis zur Becker Lodge wo wir einst unser Kanu gemietet haben. Zurzeit ist aber noch alles geschlossen und einige Seen sind sogar noch halb zugefroren. Wir laufen einen kleinen Trail am See entlang, aber mehr ist hier ohne Kanu nicht zu machen zumal unsere Motivation bei 7 Grad und Regen auch nicht gerade hoch ist. Kurz vor den Bowron Lakes liegt die alte Goldgräberstadt Barkerville die uns damals schon sehr gut gefallen hat. Wir verbringen eine Nacht auf dem Parkplatz vor dem Eingang und können uns am Morgen bei Sonnenschein alles nochmal in Ruhe anschauen.  Auf dem Rückweg sehen wir dann auch noch einen Elch und einen Schwarzbären. Letzterer hatte aber leider keine Lust auf Fotoshooting.  

Unaufhörlich legen wir Kilometer um Kilometer zurück auf unserem Weg nach Norden. Hier gibt es nur Natur und davon reichlich. Ab und zu grast auch mal ein Schwarzbär am Straßenrand, der sich durch uns aber nicht aus der Ruhe bringen lässt. Wir übernachten meistens abseits vom Highway und der Bahnlinie an wunderschönen Plätzen. Das Wetter ist uns wohlgesonnen und jeden Tag lacht die Sonne vom stahlblauen Himmel. Über Prince George geht es den Highway 97 entlang bis nach Dawson Creek. Hier ist der offizielle Anfang vom Alaska Highway und ein Bild vom Mile Marker Null darf natürlich nicht fehlen. 

Dann entern wir den Alaska Highway und vom nördlichsten Punkt der Erde, zumindest den, den man mit dem Auto erreichen kann, trennen uns nun nur noch gut 3000 Kilometer. Der Highway wurde 1942 nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbour als militärisch notwendige Nachschubroute gebaut. Zwei Bautrupps mit über 30.000 Mann von Militär und Zivil nahmen die 2500 Kilometer lange Strecke in Angriff und schafften es diese in nur acht Monaten fertig zu stellen. Heute erinnert fast nichts mehr an die Schlamm -und Dreckpiste von damals, abgesehen von ein paar kurzen Abschnitten die aus historischen Gründen als Nebenstrecken beibehalten wurden. Alles ist durchgehend asphaltiert und die Landschaft ist wie aus dem Bilderbuch, aber die Tagesetappen die wir zurücklegen müssen sind mitunter auch ganz schön anstrengend. Damit das Ganze nicht in Stress ausartet machen wir alle paar Tage ein wenig Urlaub vom Fahren und erholen uns an schönen Seen und an den Liard Hotsprings. Auf den 1000km bis Watson Lake sehen wir immer wieder Schwarzbären und ab und zu eine Herde Bisons, oder auch Cariboos. Das schönste Erlebnis war dabei eine Bärenmutter mit ihren zwei Kids. Angesichts von MOMO wurden die Beiden zur Sicherheit auf einen Baum gejagt während die Mutter unten Wache hielt. Siehe auch den kurzen Wildlife Clip dazu, hier: Wildlife

Watson Lake ist mit 1500 Einwohner die drittgrößte Stadt im Yukon und hat ihren Bekanntheitsgrad in erster Linie dem Watson Lake Sign Post zu verdanken. Während dem Bau des Alaska Highways hat dort ein heimwehkranker Soldat ein Schild seines Heimatortes aufgehängt und gab damit den Anstoß zu dieser Sammlung, die mittlerweile auf über 85.000 Schilder angewachsen ist, bzw. nun 85002 da wir uns natürlich auch dort verewigt haben. 

Ein paar hundert Kilometer weiter kommen wir nach Johnsons Crossing. Hier sind wir 1986 zu unserer Kanutour aufgebrochen die uns damals in 3 Wochen vom Teslin River über den Yukon 850 km bis nach Dawson City geführt hat. Da müssen wir natürlich ein Revival Bild machen, einmal mit unserem Gepäck und Proviant von damals und heute mit MOMO genau an der gleichen Stelle. 

Bevor es weiter geht nach Whitehorse machen wir noch einen kurzen Abstecher nach Atlin. Das ist zwar ein Umweg von gut 200 km, aber die malerische Stichstraße ist jeden Meter wert. Der Blick auf den Atlin Lake, dem größten natürlichen See in British Columbia, ist einfach atemberaubend. 

Whitehorse ist Durchgangs -und Versorgungsstation auf dem Weg in den hohen Norden. Wer zu Zeiten des Goldrausch 1898 von Skagway kommend den Chilkoo Trail erfolgreich gemeistert hatte stieg hier in ein Kanu um, oder konnte später dann auch etwas komfortabler mit einem Raddampfer den Yukon hinaufschippern bis zu den Goldfeldern bei Dawson, oder auch weiter bis zur Mündung in die Beringsee. Als Relikt aus diesen Tagen liegt am Hafen die Klondike als Museumsschiff. Von den damals gefürchteten Stromschnellen des Miles Canyon, wo viele Goldsucher das erste Mal mit dem kühlen Nass Bekanntschaft machen durften und mitunter ihr Hab und Gut versenkten, ist heute nichts mehr übrig. Durch einen Stausee wurde der Wasserstand erhöht und das Wasser beruhigt. Etwas außerhalb besuchen wir noch eine Husky Zucht mit über 130 Tieren. Der Lärm, wenn sie merken, dass sie von der Leine dürfen ist unbeschreiblich. Außer dem MacBride Museum mit einer wirklich sehenswerten Tierausstellung hat Whitehorse nicht viel zu bieten und ist ein eher funktioneller Ort. Nichtsdestotrotz gibt es ein paar sehr gute Restaurants und eine deutsche Bäckerei. Wir sind 1986 nach dem Ende unserer Tour hier durchgekommen und dann nach Skagway getrampt.

Haben wir die Strecke bis Carcross damals noch hinten auf einem Pickup zugebracht und dabei jämmerlich gefroren, sind die Fahrt mit MOMO und die Übernachtungen heute doch deutlich komfortabler. Am malerischen Emerald Lake finden wir einen schönen Platz am Seeufer für die Nacht.  Carcross ist eine winzige Siedlung mit ein paar Hundert Einwohner und lebt von den Kreuzfahrttouristen die hier zu hunderten mit Bussen vom 100 km entfernten Skagway angekarrt werden. Dort wird dann die historische Eisenbahn bestiegen die sie über eine malerische Streckenführung zurück zu ihrem Schiff bringt. Kurz vor Carcross kommen wir noch an der kleinsten Wüste der Welt vorbei. Mitten in Eis und Schnee ist hier vom nahen Ufer des Bennet Lakes Sand herangeweht worden und hat dieses 260ha große Areal geschaffen. 

Um nach Skagway zu kommen müssen wir ein paar Kilometer davor wieder in die USA einreisen. Von dort geht es dann mit der Fähre nach Haines. Es bleibt also weiterhin spannend und wir werden natürlich weiter berichten. Bis dann. 

Und hier noch einige Schnappschüsse

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Kommentare: 6
  • #1

    Uli Franke (Mittwoch, 30 Mai 2018 00:50)

    ...herrliche Eindrücke, beste Bilder, ich surfe mit Euch durch die Welt. Nich am Bär packen!
    Hat mein survival Lehrer immer gesagt , Unterschied Grizzlybär und Schwarzbär... Der DerGrizzly kommt nicht auf den Baum rauf. Habe nicht ausprobiert...weiterhin gute Reise jetzt mit der s-Klasse, Uli

  • #2

    Lisbeth & Leo (Mittwoch, 30 Mai 2018 10:12)

    Fantastisch eure Bilder und wieder ein sehr intressanter Bericht. Danke viel Mals. Sind gespannt was ihr writerhien erlebt. Gute weiterreise und geht den Bären nicht zu nahe !
    Liebe Grüsse von der Küste Spaniens, wos immer wieder regnet und für die Jahreszeit zu kalt ist
    Lisbeth und Leo

  • #3

    Manni 1: (Mittwoch, 30 Mai 2018 14:09)

    Tolle Landschaften. Fast wie am Bodensee �
    Passt auf, dass die Bären Euch nicht kraulen.
    Liebe Grüße Manni und Margit

  • #4

    Marion Kabbe (Mittwoch, 30 Mai 2018 17:39)

    Oifach klasse! Kriegt koi Goldfieber :-)))

  • #5

    Karin und Heiner (Mittwoch, 30 Mai 2018 20:09)

    Schön, was ihr so alles erlebt!
    So viel fantastische Natur und so tolle Tierbegegnungen, es macht Spaß euch hier zu verfolgen.
    Lasst es euch weiterhin so gut gehen und friert nicht im hohen Norden ;-)
    Wir freuen uns auf Mauritius, Sonne, Meer und Schnorcheln :-)
    Liebe Grüße

  • #6

    Margit (Mittwoch, 13 Juni 2018 17:51)

    Wieder ein toller Bericht und beeindruckende Aufnahmen.
    Weiterhin gute Fahrt in den Norden.
    Wir freuen uns auf die Fortsetzung �
    Liebe Grüße Margit

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