Auf dem Weg in den Orient - Teil 2

Wir bleiben noch ein wenig in Rumänien das für uns ein echtes Überraschungsland ist. In Siebenbürgen, wohl besser bekannt unter dem Namen Transsilvanien, begann ab dem 12. Jahrhundert die Besiedelung mit deutschen Siedlern hauptsächlich aus dem Rhein und Moselgebiet. Erst nach dem Fall des Kommunismus Anfang der 90er Jahre setzte eine massive Auswanderungswelle in die Bundesrepublik Deutschland und auch nach Österreich ein. Die Leute sind alle sehr freundlich und vielerorts wird Deutsch gesprochen was die Verständigung dann doch etwas einfacher macht.

Unser nächstes Ziel ist Sighisoara oder Schäßburg. Die Ortstafeln und die touristischen Informationen sind in Rumänisch, Deutsch und Ungarisch beschriftet. Es gibt Kindergärten, in denen Deutsch gesprochen wird, sowie eine Grundschule und ein Gymnasium in denen Deutsch als Unterrichtssprache benutzt wird. Die Schule ermöglicht sogar das deutschsprachige Abitur, das auch von deutschen Hochschulen anerkannt wird. Das einzigartige historische Zentrum ist UNESCO-Weltkulturerbe und wirklich sehenswert. Die Stadtbefestigungen sind noch sehr gut erhalten und der Stundturm ist mit 64m Höhe und einer Mauerstärke von 2,4m das Wahrzeichen der Stadt. Es macht einfach Spaß hier rumzubummeln und auch das Haus wo angeblich Fürst Dracula gelebt haben soll, kann man besichtigen. Allerdings muss man den Touristen Hype der daraus gemacht wird aushalten können. Wie auch immer, man kann sich noch gut vorstellen, wie Sighisoara aussah, als deutsche Kolonisten das Städtchen um 1200 gründeten. 

Wir verlassen Siebenbürgen und fahren in die Nordkarpaten zu den Moldauklöstern. Wir haben uns eine Route rausgesucht auf der 5 fünf der bekanntesten Klöster liegen und gleich das erste Kloster, Moldovita, ist ein richtiges Schmuckstück. Der Innenhof und seine Umgebung strahlen eine wahrhaft himmlische Ruhe aus. Die Außenfresken sind noch sehr gut erhalten und auch das Kircheninnere ist eine Augenweide. Die anderen Klöster unterscheiden sich lediglich durch die Menge an Bus Touristen und einem Spießrutenlauf durch die Verkaufsstände bis man ans Ziel gelangt, insbesondere in Sucevita und Voronet. 

Bei einem kurzen Stopp auf einem Parkplatz ist es plötzlich nass unterm Auto. Leider ist es nicht das Kondenswasser von der Klimaanlage, sondern der Kühler. Aber wir haben Glück im Unglück und finden in Niklasmarkt eine sehr kompetente LKW Werkstatt die sich des Problems annimmt. Nun haben wir einen geschweißten Kühler und hoffen, dass er hält. Nach drei Tagen Zwangspause geht es weiter bis auf 1100m Höhe an den St Anna Lake. Hier ist Bärengebiet und der Campingplatz ist mit einem Starkstromzaun umgeben. Tagsüber wandern wir um den nahe gelegenen See in der Hoffnung ein paar Braunbären zu sehen, aber es ist gerade ein Triathlon und da bleiben die Bären wohl lieber im Wald und unter sich. Nachmittags kommen noch zwei Deutsche Paare auf den Platz. Sonja & Benny sind mit ihrem MB 507 Campingbus auf dem Weg nach Georgien und Uli & Andy bereisen mit ihrem LKW für einige Wochen den Osten und Süden Europas. Es gibt also viel zu erzählen und wir verbringen einen netten feuchtfröhlichen Abend am Lagerfeuer bevor sich unsere Wege wieder trennen. 

In der Gegend um Brasov gibt es einige sehr gut erhaltene Kirchenburgen aus dem 15. Jahrhundert in die sich die Bevölkerung im Spätmittelalter bei Tartaren und Türkenangriffen zurückziehen konnte.  Wir besichtigen die Kirchenburg in Honigberg und am nächsten Tag noch eine weitere ein paar Kilometer weiter in Tartlau. Die Burgen sind mit Wehrgängen, Schießscharten sowie Vorrats -und Wohnkammern ausgerüstet und man kann in allen Ecken herumkriechen und in Honigberg über abenteuerliche Stiegen sogar auf den Glockenturm steigen. Unglaubliche Bauwerke die bis zu 1500 Menschen Schutz boten. 

Da es mittlerweile schon Mitte Juli ist legen wir einen Zahn zu, lassen Brasov und Bukarest links liegen und fahren zügig bis ans Schwarze Meer. Das ist allerdings mitunter nicht ganz einfach denn in den vielen Kreisverkehren sind oft die Ausfahrten die wir nehmen wollen ab 3,5 to gesperrt. Auf einer schönen Bergstraße geht es an einem Viadukt dann auch gar nicht mehr weiter denn außer der 3,5 to Beschränkung passt auch nichts durch, was breiter als 2m ist. Da hatten wir wohl das unscheinbare Hinweisschild am Anfang der Strecke nicht so ganz ernst genommen und so durften wir die 60 km wieder zurückfahren. Bei Silistra nehmen wir die Donau Autofähre die uns in wenigen Minuten nach Bulgarien bringt. Wir fahren zügig weiter ans Schwarze Meer und suchen uns zwischen Varna und Burgas einen schönen Platz am Sonnenstrand wo wir hinter den Dünen ein paar Tage stehen bleiben. 

Etwas weiter südlich liegt auf einer Felsenhalbinsel der Ort Nessebar mit malerischen Häusern und mittelalterlichen Kirchenbauten. Allerdings ist der Ort touristisch voll erschlossen und die großen Busse stauen sich auf den Parkplätzen. Wir machen einen Spaziergang durch den Ort und probieren die bulgarische Küche in einem netten Restaurant mit Blick auf die Bucht. Anschließend fahren wir ein paar Kilometer weiter auf die vorgelagerte Klippe für die Nacht und genießen den Blick auf das erleuchtete Nessebar .

In Burgas wollten wir eigentlich ein wenig durch den Sea Garden bummeln, aber die Suche nach einem Parkplatz war leider vergeblich. Offensichtlich ist dort sonntags die ganze Stadt unterwegs. Auf einem Campingplatz etwas weiter im Süden legen wir mal wieder einen Waschtag ein und wundern uns über einen übervollen Strand wo man kaum einen Platz für sein Handtuch findet. 

Dann geht es weiter über die Grenze in den europäischen Teil der Türkei. Es ist nicht viel los und nach kurzer Wartezeit sind wir auch schon drin, Dank Google translate sogar mit 90 Tagen Visa für uns und MOMO.

Wir fahren gleich weiter bis Edirne und stellen uns dort auf den Parkplatz der großen Moschee für die Nacht. Das hat den „Vorteil“, dass man garantiert in aller Herrgottsfrüh vom Weckruf des Muezzins wach wird. Der türkische Architekt Sinan schuf dieses Wunderwerk Ende des 16. Jahrhunderts und sie gilt als die schönste der Türkei. Außer der großen Moschee gibt es noch zwei weitere ganz in der Nähe die nicht weniger imposant sind. Im Gegensatz zu Marokko dürfen Ungläubige die Moscheen in der Türkei auch betreten, in angemessener Kleidung versteht sich. Wir essen Köfte, trinken Chay und schauen uns die Stadt an. Hier ist wieder richtig südländisches Leben auf den Straßen und Gassen und wir fühlen uns sauwohl. 

Ausgerüstet mit einer türkischen SIM Karte, einer Autobahn Vignette und einem vollen Dieseltank für unter ein Euro pro Liter geht es weiter. Immer wieder weisen Schilder auf Radarkontrollen hin und ab und zu stehen Polizeiwagen Attrappen am Straßenrand mit Solar betriebenen Blinklicht. Das interessiert aber offensichtlich niemanden und mit 50 in der Ortschaft ist man eher eine Verkehrshindernis. Die Straßen sind alle in einem ausgezeichneten Zustand und meist sogar 4-spurig. In den kleinen Fischerorten an den Dardanellen sind die einheimischen Urlauber meist unter sich und in einer kleinen Bucht bleiben wir 2 Tage. Neben uns treffen sich abends die Fischer für einen Feierabend Raki und wir unterhalten uns mit Zeichensprache und Gesten. Natürlich müssen wir sowohl den Fisch als auch den Raki probieren. 

Am Morgen fahren wir noch ein paar Kilometer bis zur Fähre die uns nach Canakkale bringt. Damit haben wir Europa nun endgültig verlassen und sind in Vorderasien. Was wir dort erleben erfahrt ihr dann wie immer im nächsten Blog. Bis dahin viel Spaß beim Lesen und Bilder anschauen. 

Und hier noch einige Schnappschüsse

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Kommentare: 5
  • #1

    Marion Kabbe (Dienstag, 30 Juli 2019 22:03)

    Hochinteressanter Bericht über Rumänien- ich bedanke mich, vor allem auch über die tollen Bilder. Gutes Auge wie immer... Respekt. Wir sind sehr gespannt, wie es weitergeht. Grüßle Marion und Hartmut

  • #2

    Lisbeth & Leo Knecht (Mittwoch, 31 Juli 2019 09:21)

    Liebe Karin &Manfred. Tausend Dank für den wieder spannenden Bericht, den wir mit grossem Interesse gelesen haben. ein Bravo für die tollen Bilder. Einfach genial und wir sind sicher, dass es uns nächstes Jahr auch richtung Rumänien zieht. Weitrhin gute Fahrt und seid vorsichtig.
    Liebe Grüsse Lisbeth und Leo

  • #3

    Willi Dumhard (Mittwoch, 31 Juli 2019 10:16)

    super Berichterstattung, vor allem, weil wir auch vor kurzen Rumänien besucht hatten, allerdings leider nicht mit der Geduld von Euch. Frage : bei Hartmut und Marion in dem Bericht vom 30.7.19 handelt es sich um die Beiden, mit denen wir eine schöne Zeit auf der Baja California ( März 2014) und dann mit Professor Hartmut (August 2015) in Paraguay, verbracht haben. Leider haben wir sie aus den Augen verloren und ich würde mich freuen, wenn sie sich mal unter wdumhard51@gmail.com melden würden.
    liebe Grüße Willi und Amon gruene-minna-auf-weltreise.de

  • #4

    Margit (Mittwoch, 31 Juli 2019 18:02)

    War toll etwas über Rumänien zu erfahren und die Vielfalt der Fotos.
    Weiterhin gute Fahrt und ich freue mich, bald wieder von euch zu hören.
    Grüße aus Radolfzell Margit und Manni

  • #5

    Christiane (Mittwoch, 31 Juli 2019 22:14)

    Ja, sehr spannend Euer Reisebericht. Ich wusste gar nicht dass Rumänien so schöne Ecken hat! Ich wünsche Euch weiterhin eine unfallfreie, erlebnisreiche Fahrt und freue mich auf die kommenden Berichte.
    VLG

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