Oman

Die Einreise in den Oman am Grenzübergang von Hatta ist nicht ganz einfach. Das Computersystem funktioniert nicht und an den Schaltern stauen sich die Menschen in langen Schlangen. 

Wir schauen uns das Ganze gut zwei Stunden an und beschließen dann auf dem Parkplatz unser Lager aufzuschlagen und uns dort die Wartezeit zu vertreiben. Erst nach Einbruch der Dunkelheit geht wieder was vorwärts und die Schlangen werden langsam abgearbeitet. Gegen 20:00 ist die Wartezeit gleich null und wir holen unseren Einreisestempel. Zum Weiterfahren ist es nun zu spät und so campieren wir mit vier großen Trucks auf dem Parkplatz der Grenzpolizei. 

Oman ist ein relativ junges Reiseland und hat sich erst in den 90ern für den Tourismus geöffnet. Als absoluter Monarch herrscht seit Jahrzehnten Sultan Qabus. Er hat in den letzten 40 Jahren dem Land seinen Stempel aufgedrückt und es in eine moderne Industrienation verwandelt. Wo früher noch Lehmhütten standen und kaum befahrbare Straßen waren stehen heute moderne Bauten und vierspurige Autobahnen durchziehen das Land. Verlässt man aber die wenigen Ballungszentren findet man wilde Gebirgslandschaften, endlose Wüsten und weiße Sandstrände. Kurzum, ein Paradies für Individual Reisende, idealerweise mit Offroad Fahrzeugen.

Wir sind auf jeden Fall sehr gespannt was uns erwartet und fahren am Morgen an der Küste runter nach Süden bis ca. 100km vor Muscat. Dort finden wir am Strand von Al Sawadi den idealen Platz um Weihnachten zu feiern. Wir sind eine lustige Runde und zu acht wird gemeinsam gekocht und eine große Tafel gedeckt. Mit den Füßen im Sand und dem Blick aufs Meer genießen wir unseren Heiligabend. 

Am zweiten Weihnachtsfeiertag sind wir bei einer omanischen Familie eingeladen. Reinhard hat den Hausherrn im Frühjahr bei einem Trip nach Norwegen kennengelernt und ihn dann hier kontaktiert. Ganz in der Nähe von unserem Strand hat er eine Farm fürs Wochenende und dort fahren wir abends hin. Die Farm entpuppt sich als ein riesiges Areal das oft für Firmenveranstaltungen vermietet wird. Wir werden freundlich empfangen und fürstlich bewirtet. Die Familie ist riesig. Der Hausherr hat 14 Geschwister und sein Cousin sogar 18 Brüder und Schwestern von drei Frauen. Es ist sehr interessant für uns mal einen kleinen Einblick in die Lebensweise einer omanischen Großfamilie zu bekommen. 

Nach ein paar Tagen am Strand und Sonne satt zieht es uns in die Berge. Hier gibt es unzählige Wadis, das sind trockene Flusstäler in denen unterirdisches Wasser vorhanden ist. Doch Vorsicht ist geboten denn bei plötzlichen Regenfällen verwandeln sich diese in weniger als einer Stunde in reißende Flüsse die alles wegschwemmen was im Wege steht.

Über Al Rustaq fahren wir Richtung Snake Canyon in den Wadi Al AWF. Wir haben uns eine Strecke rausgesucht die uns am Ende auf einen 2000m hohen Aussichtspunkt führen soll. Dabei haben wir nicht so richtig bedacht, dass die Strecke eigentlich nur für Jeeps geeignet ist und weniger für große Trucks. Schon die Anfahrt auf Schotterpisten die oft direkt durchs Flussbett führen ist beschwerlich, eng und steil. Nach einer Übernachtung geht es dann aber erst richtig los. Die Piste führt in engen Serpentinen mit bis zu 30% Steigung bergauf und bergab und verlangt uns alles ab. Am Ende können wir es kaum glauben, dass wir diesen Höllenritt unbeschadet überstanden haben. Das war mit Abstand die schwierigste Offroad Strecke die wir bisher gefahren sind. Ein kleines Video gibt es auch dazu, hier: Offroad

Der Jebel Shams ist mit 3000m der höchste Berg Omans. Eine weitgehend asphaltierte Straße, die nur auf den letzten Kilometern eine staubige Piste ist, führt hinauf auf 2000m. Geradezu ein Kinderspiel nach unserer Tour im Snake Canyon. Oben bietet sich uns ein atemberaubender Blick auf den Jebel Shams gegenüber und einen mehrere hundert Meter tiefen Einschnitt der auch als Grand Canyon von Oman bezeichnet wird. Wir übernachten direkt an der Kante und erleben morgens einen spektakulären Sonnenaufgang. 

Für den Ausklang des Jahres suchen wir uns ein schönes Plätzchen im Wadi Tanuf umgeben von steilen Felswänden. Böller und Feuerwerk sucht man hier vergeblich. Dafür verbringen wir einen schönen ruhigen Abend mit unseren Reisefreunden. Es wird mal wieder groß aufgekocht und wir genießen die absolute Ruhe und einen grandiosen Sternenhimmel. Wider Erwarten schaffen wir es tatsächlich am Lagerfeuer bis Mitternacht durchzuhalten und stoßen mit einem Glas Sekt auf das neue Jahr an. 

Am Neujahrstag geht es weiter nach Muscat in die sogenannte Capital Area. Diese Hauptstadtregion zieht sich über 60 km von Ost nach West und fast ein Viertel der 4,5 Millionen Einwohner Omans leben hier.

Die Sultan Qaboos Moschee ist die größte und sehenswerteste des Landes und wurde nach sechs Jahren Bauzeit 2001 eröffnet. Der 4200qm große Teppich in der Gebetshalle hat 1,7 Milliarden Knoten und war lange Zeit der größte Teppich der Welt. Ebenso der riesige in Bayern gefertigte Swarowski Kristallleuchter, bis beide von der großen Moschee in Abu Dhabi auf den zweiten Platz verwiesen wurde. 

Wir stellen uns im Stadtteil Mutrah auf den Parkplatz am Hafen und besuchen am Morgen den Fischmarkt direkt nebenan. Hier ist am Vormittag die Hölle los und es wird gefeilscht und gehandelt. Per Schubkarre werden die Fische direkt von den Booten in die Halle gefahren und dort verkauft. Den Einkauf kann man sich dann auch an speziellen Ständen direkt fachgerecht filetieren lassen. Wir kaufen uns ein Kilo Kingfish und bereiten uns ein köstliches Mahl. 

Nachmittags und abends spazieren wir durch den Souq und besichtigen eine der alten Festungen und Wehrtürme die den Ort früher vor Angriffen geschützt haben. Abgesehen von den engen und verwinkelten Gassen ist der Souq wenig interessant und das Angebot weitgehend auf Kreuzfahrtschiffe ausgerichtet.

Wir schauen uns noch den Sultanspalast an und dann zieht es uns weiter südlich an den Strand. Leider haben wir mal wieder übersehen das Wochenende ist und, dass dann das Meeresrauschen von Party Bässen bis in die frühen Morgenstunden übertönt wird. 

Da gefällt uns der Wadi Al Arabiyin schon besser. Über eine enge und staubige Piste erreichen wir einen schönen Platz am Fluss mit eigenem Badepool und können den Abend in absoluter Ruhe genießen. 

Auf dem weiteren Weg nach Süden machen wir einen kurzen Badestopp am Sink Hole, einer eingestürzten Höhle die mit glasklarem Wasser zum Schwimmen einlädt. Nicht weit davon stehen wir zwei Tage an der White Beach und sind froh, dass wir nach einem hefigen Regenguss die Schlammlöcher noch durchfahren können, im Gegensatz zu einigen PKWs die deutlich mehr Mühe haben wieder rauszukommen. 

In der Stadt Sur frischen wir unsere Vorräte auf und fahren weiter in ein Schildkröten Reservat. Hier kommen die riesigen Tiere nachts an Land und legen ihre Eier ab. Das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen und stellen uns auf die Klippen von wo man einen ausgezeichneten Blick auf den Ort des Geschehens hat. Bis kurz vor Mitternacht pilgern wir immer wieder an den Rand und werfen einen Blick hinunter. Es ist bald Vollmond und die Sicht ausgezeichnet, wenn denn nun auch die Tiere da wären. Aber die haben wohl ihren eigenen Plan und außer den „Panzerspuren“ die uns zeigen, dass da wohl was sein muss sehen wir erstmal nichts. Aber dann, kurz nach Sonnenaufgang, sind zwei Stück da und wir können sie wunderschön beobachten wie sie ihre Eier ablegen und sich dann wieder mühsam zurück zum Wasser kämpfen. 

Die nächsten gut 800 Kilometer führen durch viel Nichts und vorbei an der Wahiba Wüste. Immer wieder fahren wir durch Heuschreckenschwärme die sich in selbstmörderischer Art mit dem Kühlergrill von MOMO anlegen. Wasser tanken wird zunehmend ein Problem. Des Öfteren müssen wir dazu einen Tankwagenfahrer ansprechen und dann mit viel Geduld die unterschiedlichen Anschlüsse zusammenbringen und dann darauf hoffen, dass genug Druck zustande kommt damit der Tank auch irgendwann voll wird. Um dem Ort Duqm passieren wir eine riesige Baustelle wo gerade für 20 Milliarden Dollar eine Raffinerie, ein Hafen und ein Mega Touristen Zentrum errichtet wird. Man kann zuschauen wir eine Großstadt quasi aus der Wüste gestampft wird. Zwischendurch finden wir immer wieder ganz nette Übernachtungsplätze an kleinen Lagunen wo uns die Kamele beim Frühstücken zuschauen. 

Erst ca. 300 km vor Salalah ändert sich die Landschaft und geht über in eine Berg -und Talfahrt mit atemberaubenden Felsformationen und herrlichen Ausblicken auf tief eingeschnittene und ausgetrocknete Flusstäler. 

Dann erreicht uns die Nachricht, dass Sultan Qabus am 10. Januar nach langer Krankheit gestorben ist und eine dreitägige Staatstrauer angeordnet wurde. In den großen Städten steht daraufhin das Leben still. Der Sultan war sehr beliebt und hat das Land dahin gebracht wo es heute steht. Entsprechend groß ist die Verehrung des Monarchen in der Bevölkerung. Man kann nur hoffen, dass die Nachfolge nahtlos geregelt ist und sich dieses wunderschöne Land mit ihren gastfreundlichen Menschen weiterhin positiv entwickeln kann.

Wir beschließen die Tage der Staatstrauer in der Einsamkeit zu verbringen und biegen ab in den Wadi Shuwaimiyah. Über gut 20 Kilometer geht es über Stock und Stein, durch Wasserläufe und weggebrochene Pisten. Immer wieder passieren wir kleine Palmenoasen mit Badepools. Kurz vor dem Ende des Tals schlagen wir unser Lager auf und stehen dort letztendlich durch Zufall mit sechs großen Overlander Trucks. 

Langsam nähern wir uns dem Etappenziel Salalah. Kurz vorher haben wir noch eine Information, dass in einer Bucht an der Strecke eine zutrauliche Delphin Familie des Öfteren ihre Kreise zieht. Wir stellen uns dort hin für die Nacht und legen uns auf die Lauer. Und tatsächlich am Morgen sind sie plötzlich da. Mit Schnorchel und Flossen bewaffnet geht es ins Wasser und sie kommen uns so nah, dass wir sie fast anfassen können. Ein Wahnsinns Erlebnis und wir sind rundum glücklich, dass wir das erleben durften. Zu den Bildern gibt es hier auch noch ein kleines Video: Delphine  

In Mirbat stehen wir an einem sehr schönen Badestrand als plötzlich gegen 17:00 wie aus dem Nichts der „vorhergesagte“ Starkwind einsetzt. Wer glaubt denn auch sowas, wenn man eine Stunde vorher noch ganz entspannt in den Wellen schaukeln kann. Fluchtartig verlassen wir das Gelände und stellen uns in den Ort halbwegs geschützt hinter eine Mauer. Der Wind soll noch die nächsten zwei Tage heftig blasen und so verzichten wir auf den Strand und decken uns auf dem Fischmarkt mit frischem Fisch ein. Man kann ja nie wissen was noch kommt.

Wir überwinden mal kurz 1200 Höhenmeter auf einer kurvigen und steilen Serpentinenstrecke von nur 25 Kilometer. Außer vielen fotogenen Kamelen und Rindern wird man mit einer schönen Aussicht ins Tal und auf die Küstenlinie belohnt. Die Nacht verbringen wir unten im Wadi Darbat mit schönem Blick auf einige Wasserfälle. 

Nach einer Fahrstrecke von 1800 Kilometer, seit wir von Muscat gestartet sind, haben wir Salalah, die südlichste Stadt Omans, erreicht. Von hier sind es nur noch gut 150 km bis zur Grenze in den Jemen. Nicht weit von Sultanspalast gibt es einen schönen Palmenstrand wo man unbeschwert stehen und die Seele baumeln lassen kann. Hier werden wir nun ein paar Tage verbringen und uns zwischendurch die Stadt anschauen.

In den nächsten Tagen geht es noch ein paar Kilometer weiter Richtung Jemen bevor wir uns dann auf den Rückweg nach Dubai machen. Was wir dabei erleben erfahrt ihr dann wie immer im nächsten Blog. Bis dahin viel Spaß beim Lesen und Bilder anschauen. 

Und hier noch einige Schnappschüsse

Unsere Route 2019 - 17000 Kilometer

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Kommentare: 8
  • #1

    Marion Kabbe (Samstag, 25 Januar 2020 13:44)

    Vielen lieben Dank für den interessanten Bericht und die überwältigenden Bilder

  • #2

    Franz (Ban Pattaya) (Samstag, 25 Januar 2020 17:29)

    Wow, großartig!

  • #3

    Elisabeth und Kurt (Samstag, 25 Januar 2020 19:25)

    He super!! Toll was ihr da wieder erlebt habt! Also den Snake-Canyon würde ich freiwillig weglassen!!! Aber der Rest klingt spannend!
    Schön, dass ihr zusammen mit drei weiteren LKWs unterwegs seid und somit Weihnachten und Neujahr mit Freunden zusammen verbringen konntet.
    Passt weiterhin auf euch auf!
    Liebe Grüsse aus der Schweiz. Elisabeth und Kurt

  • #4

    Hermann (Sonntag, 26 Januar 2020 10:41)

    Schön mit Euch aus der Ferne zu reisen! Danke für Bericht und Bilder. Lasst es Euch gut gehen. Liebe Grüße aus Radolfzell Hermann

  • #5

    Gerhard (Sonntag, 26 Januar 2020 11:18)

    Vielen Dank für die vielfältigen Inspirationen, meine Gedanken auf Reisen zu schicken. Euch alles Gute im neuen Jahr und unfallfreie Fahrt in neue Abenteuer.
    Herzlichst
    Gerhard

  • #6

    Jindra (Sonntag, 26 Januar 2020 12:21)

    Hallo zusammen!
    Da seid ihr nun gut gerüstet, die den "Camino de la Muerte" in Bolivien zu fahren. Ich glaube sogar, dass diese einfacher ist, als ihr nun gemeistert habt. Auch glaube ich, dass ein paar graue Härchen dazu gekommen sind;). Aber Oman ist sehr wohl eine Reise Wert! Weiterhin gute Fahrt! Jindra

  • #7

    Elisabeth & Leo (Sonntag, 26 Januar 2020 12:44)

    He so genial, was ihr uns wieder lesen dürfen. Es ist so schön, dass ihr uns auf euren faszinierenden Touren "mitnehmt" und damit uns dieses Land etwas näher bringt. Dass ihr so Gleichgesinnte für den Jahreswechsel getroffen habt ist wunderbar und solche Freundschaften schätzt man sehr. Jetzt wünschen wir euch alles Gute auf der Weiterfahrt und passt auf euch auf !
    Mit lieben Grüssen aus der Schweiz Elisabeth und Leo

  • #8

    Peter (Mittwoch, 29 Januar 2020 18:05)

    Toll! Schön warm sieht es aus bei Euch!
    Viele Grüße aus Kathmandu

    (Wir sind heute angekommen! Leider per Flug, da eine Weiterreise über Land in China/durch Tibet nicht mehr möglich war)

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