Albanien

Bis 1991 war Albanien noch eine kommunistische Diktatur und nur für Gruppenreisen zugänglich. Erst Ende der 90er brach das politische System zusammen. Heute ist die öffentliche Ordnung stabil und alles geht seinen mehr oder weniger geregelten Gang. Christen und Muslime leben in friedlicher Koexistenz und überall wird man mit Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft empfangen.   

Wir überqueren die Grenze am Shkodra See und stellen uns dort erstmal auf einen Campingplatz. Der See lädt durch das viele Seegras nicht unbedingt zum Schwimmen ein, aber zum Ausgleich bietet das Restaurant eine leckere albanische Küche zu Preisen wie bei uns vor 20 Jahren, wie z.B. eine Pizza Margaritha für drei, und ein großes Bier für 1,50 Euro. Kein Wunder, dass die MOMO Küche bei diesem Angebot kalt bleibt. 

Nach ein paar Tagen geht es weiter zu einer Agrikultur Farm in der Nähe von dem kleinen Ort Fishte. Hier ist ein riesiger Betrieb entstanden und alles was auf den Tisch kommt ist aus eigenem biologischem Anbau, oder kommt aus den umliegenden Dörfern. Mit über 90 Mitarbeitern ist die Farm ein wichtiger Arbeitgeber für die Region. Hier treffen wir auch den Schweizer Christian der zurzeit ohne seine Partnerin Sybil durch Albanien reist. Er dokumentiert seine Reisen sehr professionell per YouTube Video die ihr euch gerne hier anschauen könnt. Benny goes overland Wir verbringen ein paar schöne Tage miteinander und genießen ausgiebig die leckere Küche, den guten Wein und den selbstgemachten Käse. 

Nun geht es hoch in die Berge zum Koman See, denn dort wartet eine abenteuerliche Fährfahrt auf uns. Gut zwei Stunden geht es über eine holprige Piste an dessen Ende ein 300m langer Tunnel durchquert werden muss. Der mündet dann in einem kleinen Platz der als Fähranleger dient. Man sollte denken, alles kein Problem, aber der kleine Platz ist vollständig zugeparkt und sogar im Tunnel stehen Fahrzeuge. Da wir mit unseren 3,60m gerade mal so durch den Tunnel passen und dann auf dem Platz auch noch wenden sollen, weil es nur rückwärts auf die Fähre geht, müssen wir den richtigen Zeitpunkt abpassen. Abends gegen 19:00 klappt es dann auch fast problemlos, nur der Tunnelwächter wollte uns erst nicht durchlassen, weil er meinte wir sind zu hoch. Naja, es war knapp und viel höher hätten wir nicht sein dürfen. Die Nacht verbringen wir dann auf der Fähre und morgens werden weitere Autos und Motorräder zugeladen wobei wir eigentlich dachten, außer uns passt da kaum noch was drauf. Aber weit gefehlt. Einer geht immer noch und es wird Millimeter genau rangiert und zum Schluss auch noch ein Auto vorne auf die Rampe gestellt, die natürlich aufbleibt. Es ist wunderschönes Sommerwetter und wir genießen die 2,5-stündige Passage durch den malerischen Canyon. Getrübt wird die Fahrt nur durch den vielen Müll, der durchgängig unseren Weg säumt und von den Schiffsschrauben gehäckselt wird. 

In Fierze verlassen wir die Fähre und fahren hoch in die Berge in den Valbona Park, der beliebteste Ferienort im Hochland mit bis zu 500.000 Besuchern im Jahr. Wir fühlen uns zurückversetzt in die bayrischen Alpen und verbringen die Nacht in einem Pinienwald neben einem ausgetrockneten Flussbett. Nach den gut 30 Grad am Meer ist es nun nachts kühle 7 Grad und wir müssen die dicke Wolldecke rausholen. Für die 150km ausgeschilderten Wanderwege fehlt uns die Motivation und so fahren wir am nächsten Tag wieder runter.  

Nach ein paar Stunden sind wir bereits wieder bei Fushe Kuqe am Meer und fahren zur Lagune Patok. Auf einem schmalen Streifen Land reihen sich hier die Fischrestaurants aneinander und überall gibt es freie Übernachtungsplätze. Zum Sonnenuntergang fahren wir mit dem Boot auf ein Inselrestaurant und genießen zum wiederholten Mal die leckere albanische Küche, dieses Mal natürlich mit fangfrischem Fisch.

Vom Meer geht es wieder bergan bis auf 600m nach Kruja. Dort betreiben seit Mai 2021 zwei Deutsche das Mali Camp. In der Nähe ist ein Restaurant mit ausgezeichneter Küche die man sich nicht entgehen lassen sollte. Die Besichtigung von der Burg mit Museum, der Stadt und dem orientalischem Bazar geht ganz bequem zu Fuß. Die Burg von Kruja gilt den Albanern als Nationalheiligtum, wurde von hier doch Widerstand gegen die Osmanen organisiert.

Wir machen noch einen Abstecher zur Festung von Bashtova, südlich von Durres. Von Zinnen gekrönte Wehrmauern umfassen ein 90 mal 60 Meter großes, völlig leeres Geviert, in das wir MOMO ganz fotogen mittenrein stellen können. Die Burg soll im 15. Jahrhundert entstanden und von den Venizianern gebaut worden sein.  

Auf dem Weg nach Berat verliert unser MOMO plötzlich Druckluft und es qualmt aus dem Motorraum. Zum Glück kommt gerade eine verlassene Tankstelle vorbei wo wir im Schatten anhalten und den Schaden begutachten können. Wir kippen das Fahrerhaus und sehen, dass die Dämmmatten Feuer gefangen haben und vor sich hin kokeln. Den Brand löschen wir erstmal mit Wasser, aber durch die Hitze ist ein Kabel geschmolzen und die Druckluft hält nicht mehr. Nun ist guter Rat teuer. Wir haben keine Ahnung was die Ursache ist und wissen nur, dass wir so nicht weiterfahren können. Netterweise hält ein junger Albaner der ohne viel Aufhebens wegfährt und mit einem Mechaniker zurückkommt. Der repariert den Druckluftschlauch, so dass wir mit ihm die 4km zu seiner Werkstatt fahren können. Das Problem war ein undichter Turbolader der dadurch zu heiß wurde und die Dämmmatten entzündet hat. Nach einer Stunde und 30 Euro ärmer, können wir zum Glück weiterfahren. Wieder einmal haben wir eine unglaubliche Hilfsbereitschaft erlebt, wie so oft in den mehr als acht Jahren unserer Reise. 

Etwas verspätet kommen wir in Berat an und stellen uns oben an der Burg auf einen Platz am Restaurant. Berat, oder auch die Stadt der tausend Fenster, wurde 1961 zur Museumsstadt ernannt und ist seit 2008 UNESCO Weltkulturerbe. Wir besichtigen die Burg und gehen dann einen sehr steilen Weg runter in die 2000 Jahre alte Stadt die uns mit ihren schönen Häusern und den engen Gassen sehr gut gefällt. Leider müssen wir nach der Stadtbesichtigung auch wieder zurück, was mit gut 150m Höhenmetern einer kleinen Bergwanderung gleichkommt. Den Raki, den uns unser freundlicher Wirt dann am Auto serviert, haben wir uns damit nach diesem aufregenden Tag redlich verdient. 

Apollonia ist nach Butrint die bedeutendste archäologische Stätte des Landes und wurde bereits im 6. Jahrhundert v. Ch. von Auswandern aus Korinth und Korfu gegründet. In der Folge entwickelte es sich zum großen Handelsstützpunkt der in der Blütezeit bis zu 60.000 Einwohner zählte. Die ersten Ausgrabungen fanden Anfang des 20. Jahrhunderts statt. Das am besten erhaltene Bauwerk ist die große Stoa mit ihren vier großen Säulen. Ebenso sehenswert sind das Kloster und das Museum, das 2011 mit Hilfe der UNESCO restauriert und wieder eröffnet wurde.  

Die Nacht verbringen wir bei Vlora direkt am Strand. Eigentlich ein sehr schöner Platz, wenn, ja wenn der Müll nicht wäre, der einem im Übrigen in ganz Albanien ein ständiger Begleiter ist. Aber hier ist es wirklich besonders schlimm. Sonst wunderschöne Plätze direkt am Wasser mit Pinienbäumen für Manni’s Hängematte sind völlig zugemüllt und lassen einen nicht mal dran denken hier zu campieren. Mit Mühe und Not finden wir ein kleines Stück für unser Nachtlager, aber der Müll lockt auch jede Menge sehr lästige Fliegen an und so hält sich unsere Begeisterung in Grenzen. 

Nun geht es auf der steilen und kurvigen Küstenstraße über den1000m hohen Llogara Pass immer weiter nach Süden. Wir sind wie immer auf Bergstrecken am Anfang der Schlange und erleben jede Menge Überholmanöver im Grenzbereich. Bei Himare ist eine schöne Bucht die wohl in der Hochsaison gut besucht ist. Aber jetzt Anfang September ist der Trubel überschaubar und wir stellen uns auf einen kleinen Campingplatz am Strand. Um einiges touristischer geht es dagegen in Ksamil zu. Hier machen um diese Jahreszeit noch viele Osteuropäer Urlaub und ein Liegestuhl reiht sich an den anderen. 

Wir folgen der Küstenstraße bis nach Butrint, der wichtigsten archäologischen Ausgrabung in Albanien mit einer 2500 Jahre alten Geschichte. Hier ist gegen 10 Uhr schon viel Betrieb und es hat sich bereits eine Schlange am Eingang gebildet.  Viele Ruinen sind noch sehr gut erhalten und ein Besuch ist wirklich sehr lohnenswert. 

Die Nacht verbringen wir am Syri i Kalter, oder der blauen Quelle. Inmitten einer üppigen Vegetation sprudelt hier eine Quelle mit einer konstanten Temperatur von 10 Grad Celsius. Es ist ein beliebtes Ausflugsziel, aber wenn die Tagesgäste nach Einbruch der Dämmerung weg sind, ist es ein herrlich ruhiger Platz für die Nacht. 

Unsere letzte Station in Albanien ist Gjirokaster, ebenfalls UNESCO Weltkulturerbe und mit ihren schönen Bürgerhäusern ein wichtiges kulturelles Zentrum in Südalbanien. Wir machen eine Führung durch das Skenduli Haus aus dem 17. Jahrhundert und erfahren dabei viel über das Leben zu dieser Zeit. 

Nochmal volltanken und das Auto waschen lassen und dann geht es die paar Kilometer bis zur Grenze nach Griechenland. 

Wegen Covid müssen wir 24Std vorher ein Online Einreiseformular ausfüllen und bekommen einen QR Code. Damit ist die Einreise ohne Stau in 15min erledigt und auf uns und MOMO wartet das 45. Land das wir bereisen, seit wir 2013 gestartet sind. Was wir dort erleben erfahrt ihr dann wie immer im nächsten Blog. Bis dahin viel Vergnügen beim Lesen und Bilder anschauen. 

Unsere Route bisher - 2900 Kilometer

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Kommentare: 3
  • #1

    SuPi (Dienstag, 14 September 2021 17:44)

    Tolle Reise durch Albanien.
    Ist nicht nur wegen der Gastfreundschaft glaube ich auch mal eine längere Reise wert.
    Euch viele weitere tolle Erlebnisse in Griechenland und lasst's euch gut gehen!

  • #2

    Elisabeth&Kurt (Dienstag, 14 September 2021 17:48)

    Hallo liebe Freunde
    Wie immer ein Vergnügen euren Bericht zu lesen! Habt ganz herzlichen Dank dafür und geniesst es weiterhin!
    Herzensgrüsse Elisabeth&Kurt

  • #3

    Margit und Manni (Mittwoch, 15 September 2021 17:24)

    Hi Ihr Zwei,
    wieder haben wir den Blog genossen und sind so ein Stück mit dabei gewesen.
    Weiterhin gute Fahrt und bis bald auf dieser Seite liebe Grüße Margit und Manni vom Bodensee