Kanada - Neufundland - Teil 1 - 24. April bis 8.Mai 2024

Neufundland ist kein Ziel für Massentourismus und wenn, dann auch nur in den Sommermonaten von Mitte Juni bis Ende August. Das ganze Jahr über kommen gerade mal so viele Besucher hierher, wie New York an einem Wochenende in der Hauptsaison hat. Wir sind im April früh dran und unsere Angora Unterwäsche und die dicken Jacken liegen bereit. Von Sydney in Nova Scotia ist es nur eine 6-stündige komfortable Überfahrt bis nach Port-aux-Basques im Südwesten von Neufundland. Bereits um die Jahrtausendwende haben die Wikinger den Weg hierher gefunden, 500 Jahre vor den Engländern und Franzosen. Lange davor gab es noch die Ureinwohner, aber die wurden von den Kolonialmächten restlos ausgerottet. Das Verhältnis der gut 500.000 Einwohner zu den Elchen ist 5:1, mit steigender Tendenz für die Elche, die erst Anfang des vorigen Jahrhunderts hier angesiedelt wurden. Die Chancen, dass uns der eine oder andere auf unserer Tour mal über den Weg läuft, stehen also nicht schlecht.  

Wir kommen gegen Abend an und suchen uns einen ersten Schlafplatz in der Nähe des Hafens. In dem Ort gibt es nicht viel zu sehen und morgens fahren wir weiter bis ins 170 km entfernte Stephenville und vertreiben uns den Nachmittag vor der Bibliothek mit freiem Internet.  Abends setzt Starkregen ein bei Temperaturen um null Grad und heftigem Wind und wir sind froh über unser warmes Zuhause. Am nächsten Tag wird es noch schlechter mit Schneeregen und eisigem Wind mit gefühlten minus 5 Grad. Über Corner Brook fahren wir bis zum Dorset Trail und pünktlich zu unserer Ankunft meldet sich die Sonne zurück. Wir sind auf der Suche nach Eisbergen und laut App soll es einen in Harbour Round geben, also nichts wie hin. Wir stellen das Auto am Hafen ab und laufen um die Landspitze rum und plötzlich ist er vor uns. Ein schöner großer Eisberg dümpelt dort in seiner ganzen Pracht in der Bucht. Was für ein Glück. Wir können es kaum glauben und sind völlig begeistert. 

Nach einem ausgiebigen Fotoshooting fahren wir weiter in die nächste Bucht nach La Scie. Dort ist ein Aussichtspunkt oben am Berg mit einem herrlichen Blick über die Bucht. Ganz in der Ferne dümpelt ein Eisberg rum und zum Sonnenuntergang biegt noch ein kleiner Eisberg um die Ecke und treibt am nächsten Tag langsam bis auf unsere Höhe. Wir nutzen das schöne Wetter, gehen spazieren und verbringen den Tag mit Lesen und faulenzen. Auf der Schattenseite von MOMO sind es gerade mal 9 Grad, aber auf der windgeschützten Sonnenseite haben wir fast 20 Grad. Leider ziehen am Abend schon wieder die ersten Wolken auf und am Morgen regnet es und das soll laut Wetterbericht auch die nächsten Tage so bleiben.  

Den rauchenden Schlot einer der weltgrößten Papierfabrik in Grand Falls Windsor sieht man schon von weitem. Der Ort hat nicht viel zu bieten. Nur wenn im Juli die Lachse über die Grand Falls flussaufwärts wandern ist hier was los. Der Regen hat sich mittlerweile gelegt und es ist „angenehme“ acht Grad warm. Was die Temperaturen betrifft wird man hier sehr bescheiden. Gander ist mit 11.000 Einwohner für Neufundland Verhältnisse schon fast eine Großstadt. Als der transatlantische Luftverkehr noch mit Propeller Maschinen abgewickelt wurde war Gander der erste Zwischenstopp zum Auftanken. Im 2. Weltkrieg wurde er aufgrund seiner Lage von den USA zu einer riesigen Militärbasis ausgebaut. Heute nutzt der transatlantische Luftverkehr den Flughafen nur noch in Notfällen, wie zum Beispiel am 11.9.2001 als die Amerikaner nach dem Anschlag aufs World Trade Center den kompletten Luftraum gesperrt haben und 10.000 Passagiere hier strandeten und tagelang versorgt werden mussten. Wir machen einen Stopp im Aviation Museum wo die Geschichte des Flughafens ausführlich dokumentiert ist. 

Für die Nacht finden wir in der Nähe einen schönen Platz am See. Wir überlegen kurz, ob wir die 8 Grad Lufttemperatur schamlos ausnutzen und uns ins Wasser stürzen, sehen aber davon ab als wir feststellen, dass die Wassertemperatur gleich der Lufttemperatur ist. Dafür machen wir eine schöne Wanderung am Seeufer entlang. Weiter geht’s auf dem Trans Canada Highway bei viel Regen und Nebel. Zu allem Überfluss bleibt auch noch der Scheibenwischer hängen und will sich nicht mehr bewegen. Das ist bei dem Wetter in Neufundland ein größeres Problem und kommt von der Wertigkeit her knapp nach einem Motorschaden. Zum Glück ist nur die Schraube am Gestänge lose und das Ganze lässt sich in einer halben Stunde reparieren. 

Wir kommen nach Bonavista und trotz Nebel und Dauerregen ist die Landschaft atemberaubend. Der Ort macht seinem Namen wirklich alle Ehre. Wir machen einen ausgedehnten Spaziergang und freuen uns danach auf unser warmes und gemütliches Zuhause. Für die Nacht stellen wir uns auf den Parkplatz vom Leuchtturm mit einem tollen Blick auf die Steilküste. 

Weiter geht’s an der Küste entlang zur Steilküste von Dungeon Ridge und nach Elliston. Dort würden wir uns gerne die Papageientaucher (Puffins) anschauen, aber die sind leider noch nicht eingetroffen. Erik, der sich selbst als “Puffin Man“ bezeichnet, erklärt uns, dass die Vögel erst nach Muttertag kommen. Woher die jetzt wissen wann Muttertag ist konnten wir nicht rausfinden. Schade, die hätten wir gerne gesehen und so nah ran wie dort kommt man in der Regel nicht. Es hat eben Vor -und Nachteile so früh in der Saison unterwegs zu sein. Museen, Nationalparks, viele Restaurants und auch die Campgrounds haben noch geschlossen, denn die Hauptreisezeit beginnt erst im Juni, wenn das Land so langsam aus seiner Eisstarre erwacht. Aber dann kommen auch die Blackflies und Moskitos in Scharen.

Auf dem Weg nach Trinity machen wir einen Mittagsstopp in Port Rexton im Brauerei Pub. Wer in Deutschland denkt, dass Bier oder Essen teuer ist war noch nicht in Kanada. Eine Halbe kostet schlappe $10. Dazu nimmt jeder ein Sandwich und schon sind $50 weg. Naja, dafür haben wir bisher keine Übernachtungskosten und finden einen schönen Platz in der Nähe vom Leuchtturm mit Blick auf die schön renovierten Häuser von Trinity. 

Auf dem weiteren Weg nach St. John müssen wir in Dildo unbedingt in der Micro Brauerei einkehren. Vielleicht wird ja das Wetter mit ein paar Bier besser. Leider macht uns der Dildo Donkey Weather Forecaster (siehe Bild) nicht viel Hoffnung. Im Pub gibt es neben den Standard Fish & Chips und sonstigen frittierten Sachen tatsächlich auch mal Fisch Gratin, oder Nudeln mit Jakobsmuscheln und Shrimps. Die Kneipe ist offensichtlich ein angesagter Hotspot und Samstagmittag um 14 Uhr proppenvoll. Zum Schnäppchenpreis von $78 nehme ich mir noch 12 Dosen Bier mit, dem einzigen was mir bisher in Kanada schmeckt. Weit können wir dann nicht mehr fahren und verbringen die Nacht auf einem schönen Stellplatz am Strand, gleich um die Ecke. 

Heute ist Sommer in Neufundland und wir haben stahlblauen Himmel bei 5-8 Grad und einem strammen Wind. Wir nutzen das schöne Wetter und fahren ganz in den Süden der Avalon Halbinsel zum Cape St. Mary´s. Dort ist eine Basstölpel Kolonie mit tausenden von Tieren die dort an der Steilküste ihr zu Hause haben. Nachdem wir ausgiebig Fotos gemacht haben, machen wir es uns in unseren Liegestühlen im Windschatten vom Tourist Center gemütlich. Die Saison hat noch nicht begonnen und wir können den ganzen Tag die Sonne alleine genießen. Nur gegen Abend kommt noch ein Wohnmobil und erfreut uns mit seinem Generator. 

Was wir gestern noch bei blauem Himmel sehen konnten ist heute Morgen eingehüllt in dichten Nebel und wir werden vom Tuten des Nebelhorns geweckt. Doch nach zwei Stunden setzt sich die Sonne durch und es wird unglaubliche 16 Grad warm. Wir entscheiden uns die große Runde um die Avalon Halbinsel etwas abzukürzen und fahren auf direktem Weg zum La Manche Provincial Park. Bei herrlichem Wetter wandern wir einen schönen Trail zu einer Hängebrücke und weiter bis zu einer Wellen umtosten Bucht. Am späten Nachmittag sind wir wieder am Auto und finden auch bald einen schönen Stellplatz am einem der zahlreichen Seen. Auf jeden Fall eine angemessene Lokation für unseren 37. Hochzeitstag, den wir mit Schweinefilet und einem leckeren Wein feiern. 

Das schöne Wetter ist erstmal wieder Geschichte und so sehen wir den östlichsten Punkt des amerikanischen Kontinents am Cape Spear leider nur bei Nieselregen und in dichtem Nebel. Hier steht des älteste Leuchtturm Neufundlands und Bunker und Verteidigungsanlagen aus dem 2. Weltkrieg. 

Von dort sind es nur noch ein paar Kilometer bis St John, der Hauptstadt von Neufundland mit rund 100.000 Einwohnern. Vom Signal Hill hat man eine spektakuläre Sicht aufs Meer, die enge Hafeneinfahrt und die Stadt. Hier wurde am 12.12.1901 die erste transatlantische Funknachricht aus Cornwall in England empfangen und leitete damit das Zeitalter der Telekommunikation ein. Wir stellen uns dort auf den Parkplatz und am Abend, wenn alle Besucher verschwunden sind, wird es herrlich ruhig. Am nächsten Tag ist es mal wieder an der Zeit die Wäsche zu waschen und unsere Vorräte aufzufüllen. Zwischendurch schauen wir uns die bunten Häuser in Downtown an und machen ein Bild am 0 km Punkt des Transkanada Highways. Von hier bis Victoria auf Vancouver Island sind es 7821 km. Nachmittags besuchen wir die Iceberg Brauerei die malerisch an einem Fjord liegt.  Die machen dort tatsächlich Bier mit dem Wasser von Eisbergen. Ein Subunternehmer fährt in der Eisberg Saison raus aufs Meer, sammelt das Eis ein und verkauft es geschmolzen an die Brauerei. Die prüft dann die Qualität, denn nur echtes Eisbergwasser ist vollkommen rein und frei von Schadstoffen. Wir haben uns jeder eine Halbe schmecken lassen und dazu gab es leckere Tacos. Verkauft wird das Bier in Eisberg blauen Flaschen zu Spitzenpreisen. Die Nacht verbringen wir nochmal auf dem Signal Hill und morgen geht es wieder auf den Trans Kanada Highway, denn irgendwie müssen wir ja nun die ganze Strecke zurück. 

Damit ist der erste Teil unserer Neufundland Reise zu Ende. Für den Rückweg haben wir uns noch einige Highlights aufgehoben. Davon berichten wir dann im nächsten Blog. Bis dahin viel Spaß beim Lesen und Bilder anschauen. 

Unsere Route für diesen Reiseabschnitt - 2000 Kilometer

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Kommentare: 4
  • #1

    Paul Benz (Samstag, 11 Mai 2024 09:09)

    Toller Bericht ���. Weiterhin eine gute Reise �

  • #2

    Gisela Rohr (Samstag, 11 Mai 2024 11:37)

    Vielen Dank für den Bericht, so kommen wir auch mal nach Neufundland!
    Gute Fahrt, bin schon gespannt auf die nächsten Ziele.

  • #3

    Elisabeth und Kurt (Samstag, 11 Mai 2024 22:12)

    Vielen Dank für euren Reisebericht, immer spannend zu lesen.
    Geniesst es weiterhin und freut euch auf wärmere Zeiten!
    Herzensgrùsse
    Elisabeth und Kurt

  • #4

    Ruth Köppel (Mittwoch, 15 Mai 2024 14:25)

    In Eurem Bericht ist alles dabei, was das Leben, Reisen und das darüber Lesen spannend macht: Sonne, schöne Aussichten und Landschaften, Romanze (der Hochzeitstag), Enttäuschung (die Absenz von Papageientauchern), Unbill (der defekte Scheibenwischer), Kälte, Regen und Schnee. Herzlichen Dank