Nordwärts bis Helsinki - 1. Mai bis 9. Mai

Karins Knieproblem ist weitgehend auskuriert und am 1. Mai starten wir zu unser großen Skandinavien Tour. Wir verabschieden uns von unseren Enkelkindern die ein paar Tränen vergießen müssen, weil sie Opa und Oma nun länger nicht sehen werden. Über fast leere Autobahnen fahren wir bis zu der oberfränkischen Weltkulturerbestätte Bamberg. Das Wahrzeichen der Stadt ist der Bamberger Dom mit vier mächtigen Türmen in romanisch-gotischer Architektur und dem berühmten Bamberger Reiter. Ein architektonisches Highlight ist das Alte Rathaus das auf einer Insel in der Regnitz errichtet wurde. Bei strahlendem Sonnenschein genießen wir ein Mittagessen im Biergarten am Rathausplatz und beobachten das bunte Treiben. Danach fahren wir noch gut 100km weiter bis Mittgenfeld wo wir einen schönen Stellplatz am Sportplatz belegen.

Um neun Uhr geht es weiter. Bei einer kurzen Pause am Rastplatz stellen wir fest, dass sich ein paar Öltropfen unter dem Motor versammelt haben. Wir sind leicht beunruhigt und fahren bei Mercedes in Kassel vorbei da die Werkstatt direkt an der Autobahn liegt. Der Mechaniker ist supernett und vermutet die Kopfdichtung (Katastrophe) oder einen Simmering. Ob wir damit die angepeilten 10.000km durch Skandinavien fahren können ist fraglich. Er empfiehlt es uns eine Fachwerkstatt für alte Dieselmotoren in Reinhardshagen in der Nähe von Hannoversch Münden zur näheren Analyse. In Gedanken stornieren wir schon mal unsere Fähre und ziemlich geknickt geht’s weiter nach Liebenburg zu unseren Reisefreunden Manni & Rosita die wir vor 13 Jahren in Südamerika kennengelernt und seitdem an vielen Orten auf der Welt getroffen haben. Wir verbringen einen schönen Grillabend und haben uns viel zu erzählen. Manni kennt sich sehr gut mit LKWs aus und schaut sich am Morgen die Sache mit dem Öl mal an, kommt aber auch zu keinem Ergebnis. Wir entschließen uns 100 km zurückzufahren und den Motorenspezialist in Reinhardshagen aufzusuchen. Den Sonntagnachmittag verbringen wir mit einer Stadtbesichtigung von Hann. Münden.

Pünktlich um 7:30 stehen wir am Montagmorgen bei ihm vor der Tür. Auch er ist supernett und nimmt sich sofort der Sache an. Das Führerhaus wird gekippt und erstmal der Motor gründlich gewaschen und vom alten Öl befreit. Danach machen wir eine 20km Probefahrt und anschließend wird der Motor genau in Augenschein genommen. Die Ursache ist eine alte Korkdichtung am seitlichen Motordeckel die nach 38 Jahren nun hart ist und etwas Öl rausschwitzt. Es ist also nichts Bedrohliches und wir können unsere Reise ohne Bedenken fortsetzen. Wenn wir im Herbst wieder zu Hause sind lassen wir es reparieren.

Wir sind Happy, denn in Gedanken hatten wir schon nach den Statuten unserer Rücktrittskostenversicherung gesucht. Eine Stunde später wird unsere Euphorie allerdings erneut extrem getrübt. Eine Arzthelferin ruft bei Karin an und möchte sie nächste Woche wegen einem unklaren Befund nochmal zur Nachkontrolle sehen. Wir verbringen eine unruhige Nacht auf einem Stellplatz in der Nähe von Lüneburg und am Morgen telefoniert Karin mit der Ärztin. Die hat mittlerweile ein älteres Vergleichsbild und gibt Entwarnung. Es reicht, wenn das im Oktober abgecheckt wird. Wir sind also zum zweiten Mal sehr erleichtert. Wir hoffen, dass das nun die letzte Hiobsbotschaft war und starten durch nach Travemünde. Bis zur Einschiffung um Mitternacht ist noch viel Zeit und wir vertreiben uns die Zeit mit einem ausgedehnten Spaziergang am Pier von Travemünde bis zum Timmendorfer Strand. Es ist angenehm warm und wir gönnen uns einen Aperol Spritz und essen später noch eine leckere Fischplatte. Um 22:30 geht’s zum Verschiffungskai. Gegen 1 Uhr können wir dann aufs Schiff fahren und unsere Kabine beziehen. Vom Ablegen um 2 Uhr haben wir schon nichts mehr mitbekommen  

Für die 32 Stunden an Bord haben wir Mahlzeiten mitgebucht und insbesondere das skandinavische Buffet am Abend ist hervorragend und bekommt von uns 5 Sterne. Krabben, Lachs, verschiedene Heringsvariationen über Rentier-Geschnetzeltes bis hin zu einer Dessertauswahl, die keine Wünsche offenlässt. Dazu Wein und Bier vom Fass so viel man mag – die zwei Tage vergehen buchstäblich wie im Schlemmerparadies. Ein wirklich angemessenes Ambiente für unseren 39. Hochzeitstag. 

Am 7. Mai legen wir pünktlich um 10 Uhr in Helsinki an und checken eine Stunde später im Campground ein. Der liegt direkt an der Metro Station und die bringt uns wenig später in 15 Minuten in die Stadt. Wir bestaunen als erstes die Nationalbibliothek. Die Architektur aus Holz und Glas ist spektakulär. Danach geht es weiter zum schlichten weißen Dom von Helsinki, das strahlend weiße Wahrzeichen am Senatsplatz. Nicht weit davon weg ist die alte Markthalle direkt am Hafen gelegen. Dort müssen wir natürlich gleich eine für Finnland typische Lachssuppe versuchen. Sehr lecker und war bestimmt nicht die letzte. Die Uspenski-Kathedrale ist nur einen kurzen Spaziergang vom Marktplatz entfernt. Die backsteinrote orthodoxe Kirche thront auf einem Hügel und ist die größte in Westeuropa. Mit ihren goldenen Zwiebeltürmen bildet sie einen starken architektonischen Kontrast zum klassizistischen weißen Dom am Senatsplatz.  Dann reicht es auch schon für heute und am Auto genießen wir noch für gut 2 Stunden die kräftigen Sonnenstrahlen, bevor es dann draußen zu kalt wird. Dunkel wird es allerdings erst nach 22:30. 

Am zweiten Tag besuchen wir das UNESCO Welterbe, die Seefestung Suomenlinna. Die Festung erstreckt sich über mehrere miteinander verbundene Inseln und ist in nur 15 Minuten mit der Fähre vom Marktplatz aus erreichbar. Ursprünglich von Schweden erbaut, um sich gegen Russland zu verteidigen, war sie später unter russischer Herrschaft und ist heute Teil Finnlands. Man kann dort stundenlang herumlaufen und die Tunnel, Kanonen und die Werft erkunden. Es wäre auch der perfekte Ort für ein Picknick auf den Granitfelsen mit Blick auf die vorbeiziehenden riesigen Fähren. Wir entscheiden uns jedoch für ein „All you can eat“ Sushi Buffet in der Nähe vom Hafen für knapp 15€, inklusive Wasser, Kaffee und Nachspeise. Danach haben wir nur noch die Energie für einen kurzen Bummel über die Haupteinkaufsstraße (Esplanadi) bevor es dann mit müden Füßen zurück zum Campingplatz geht um noch ein bisschen die Sonne zu genießen.

Am dritten Tag besichtigen wir die Highlights etwas außerhalb vom Stadtzentrum. Mitten im lebhaften Stadtteil Kamppi gibt es einen Ort, der nicht stiller sein könnte: die Kapelle des Schweigens. Sie liegt direkt am Narinkkatori-Platz, umgeben von Einkaufszentren, Straßenlärm und dem Trubel des Alltags. Wir besichtigen sie nur von außen, denn auf dem Platz findet gerade ein thailändisches Neujahrsfest statt. Anschließend geht es zur Felsenkirche. Ein architektonisches Wunderwerk das direkt in den massiven Granitfels gehauen wurde. Wenn man zwischendurch mal etwas Ruhe sucht fährt man zum Regatta Café in der Nähe des Sibelius-Denkmals. Es ist eine winzige rote Holzhütte am Wasser, wo man im Freien Zimtschnecken (Korvapuusti) essen und am offenen Feuer Würstchen grillen kann – echtes finnisches Lebensgefühl am Stadtrand wo wir auf einem Platz an der Sonne Blaubeerkuchen mit Vanillesoße und einen Kaffee genießen. 

 

Gleich nebenan ist das Sibelius-Denkmal. Im Stadtteil Töölö gelegen, ist dieses Denkmal dem berühmten finnischen Komponisten Jean Sibelius gewidmet. Es besteht aus über 600 Stahlrohren, die wie eine monumentale Orgel in den Himmel ragen. Wenn der Wind durch die Rohre weht, erzeugt das Denkmal eine ganz eigene Akustik.

Damit endet unser dreitägiger Besuch in Helsinki. Schön war´s. Nun verlassen wir Helsinki und fahren im Osten von Finnland an der russischen Grenze entlang nach Norden. Was wir dort erleben erfahrt ihr dann wie immer im nächsten Blog. 

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Kommentare: 3
  • #1

    Antje (Donnerstag, 21 Mai 2026 13:19)

    Bin schon gespannt wie es weitergeht, Helsinki haben wir im September ähnlich erlebt: die Lachssuppe in der Markthalle ist köstlich � wir waren allerdings nur 2 Tage dort bevor es mit dem Nachtzug nach Rovaniemi ging �. LG, weiterhin gute Reise und ein fittes Knie für Karin

  • #2

    Elisabeth&Kurt (Donnerstag, 21 Mai 2026 15:47)

    Toll was ihr in Helsinki erleben durftet! Wir freuen uns für euch!
    Das Sibeliusdenkmal in Form einer „nachempfundenen Orgel“ ist ja hammermässig gelungen!!!

  • #3

    Margit (Donnerstag, 21 Mai 2026 20:37)

    Hallo Ihr Lieben,
    wie schön, ihr könnt wieder unterwegs sein. Wir freuen uns,
    wieder mit schönen Fotos und Berichte von euch, dabei sein zu können. Gute Fahrt und liebe Grüße vom Bodensee