Nach 3 Tagen Stadtbesichtigung fahren wir einige Kilometer weiter nach Osten bis Porvoo. Ein nettes Städtchen mit malerischen Holzhäusern. Wir bummeln durch den Ort und lassen uns zu Mittag eine Lachssuppe schmecken. Dann geht es 40 km weiter zu einem schönen Stellplatz am Meer. Dort gefällt es uns so gut, dass wir gleich mal einen Ruhetag einlegen und das sonnige Wetter genießen. Nachmittags kommt Hans vorbei, ein Deutscher der vor 32 Jahren nach Finnland ausgewandert ist. Wir sitzen gemeinsam in der Sonne und erfahren viel über die wirtschaftliche Situation in Finnland und die Probleme seit der Schließung der Ostgrenze nach Russland.
Weiter geht’s bis Loviisa. Dort gibt es auch alte Holzhäuser, aber meist in einem sehr schlechten Zustand. Der Ort wirkt wie ausgestorben. Die Saison fängt erst im Juni an und vorher ist hier nichts los. Die nächste Station ist eine alte Eisenhütte mit dem leicht auszusprechenden Namen Ruotsinpyhtää. Die Gebäude sind schön restauriert und ein Blickfang ist die achteckige Kirche von 1771. Auf dem weitläufigen Gelände finden wir einen ruhigen Stellplatz für die Nacht. Weiter geht’s nach Pythää wo eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Steinkirchen mit einem supersteilen Holzschindeldach steht, errichtet um 1460.
Kotka ist eine Industriestadt am Finnischen Meerbusen und nicht wirklich schön. Die Hauptattraktion ist das Schiffsmuseum das architektonisch wie eine Welle gestaltet ist. Mehrere alte Schiffe liegen in den Docks, darunter der älteste Eisbrecher der Welt von 1907 und das historische Feuerschiff „Kemi“ das als schwimmender Leuchtturm diente. Ansonsten hat uns noch das „all you can eat“ Asia Buffet begeistert mit Sushi, Nudeln und Dessert für wenig Geld.
Nach einer ruhigen Nacht geht es am Morgen weiter bis Lappenranta dem wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum von Nordkarelien. Zu sehen gibt es eigentlich nichts bis auf die Festung am Hafen die aber eher wie ein Stadtviertel auf einem Hügel aussieht. Die erhaltenen Backstein- und Holzhäuser dienen heute als Museen, Kunstgalerien und Cafés. Früher muss es auf jeden Fall als ehemalige Grenzbefestigung im Südosten Finnlands ein imponierendes Bauwerk gewesen sein. Wir sind eindeutig zu früh im Jahr unterwegs und alles ist wie ausgestorben. Die Saison ist hier von Mitte Juni bis Ende Juli. Wir beschließen aufs Gas zu treten und mal ein paar Kilometer in Richtung Norden zu fahren bis zu dem kleinen Ort Parikkalan wo wir einen netten Stellplatz am See finden. Dort ist gerade ein kleines Dorffest mit Verkaufsständen und Fressbuden. Es ist wunderbar sonnig und wir verbringen den Nachmittag mit sonnen und lesen.
Weiter geht’s nach Kerimäki. Dort steht eine der größten Holzkirchen der Welt die 1847 in dreijähriger Bauzeit errichtet wurde. Die Abmessungen sind gewaltig und innen sind Sitzplätze für 3400 Menschen. Leider sehen wir von der Kirche so gut wie nichts. Sie ist bis auf den Glockenturm vollständig in Folie verpackt und wird bis zum Sommer 2027 komplett restauriert. Also geht’s gleich weiter nach Savonlinna. Ein lohnendes Besichtigungsziel ist dort die Festung Olavinlinna die als eine der schönsten in Skandinavien gilt. Die Burg, auch bekannt als Burg St. Olaf, ist das berühmteste Wahrzeichen von Savonlinna und gilt als eine der besterhaltenen mittelalterlichen Burgen in Nordeuropa. Sie thront majestätisch auf einer felsigen Insel inmitten starker Strömungen. Heute ist die Burg weltweit als Hauptveranstaltungsort der Opernfestspiele von Savonlinna bekannt, vergleichbar mit den Festspielen von Bayreuth. Wir machen eine einstündige interessante Führung mit Zugang zu den Türmen und Wehrgängen.
Danach verbringen wir zwei regnerische Tage im Kolovesi Nationalpark auf einem schönen Platz am See mit Grillhütte und genug Brennholz für Wochen. Selbst Hackklotz, Säge und Axt stehen bereit. Zwei Berliner sind schon dort und haben bereits den Grill angeheizt. Der eine lebt mit der Familie in Helsinki und der andere ist zu einem Kurzbesuch hergeflogen. Wir verbringen den Abend gemeinsam am Lagerfeuer und haben uns viel zu erzählen.
Weiter geht’s nach Valamo zum einzigen orthodoxen Männerkloster Finnlands. Es ist ein aktives religiöses Zentrum das ganzjährig für Pilger und Touristen geöffnet ist. Die Hauptkirche ist ein markantes Gebäude mit goldenen Kuppeln. Der prächtige Kronleuchter wiegt 800kg und ist eines der wertvollsten und geschichtsträchtigen Artefakte der gesamten Anlage. Der Klosterfriedhof liegt ein paar Hundert Meter entfernt in einem Waldstück und ist die letzte Ruhestätte von über 200 Klostermitgliedern. Ganz in der Nähe ist ein schöner Stellplatz am See und wir bleiben dort für die Nacht. Wie selbstverständlich gibt es wieder Lagerfeuerholz und eine Grillhütte.
In Joensuu gehen wir kurz einkaufen und fahren dann gleich weiter bis zum Campground Koli Freetime. Es schön sonnig mit über 20 Grad und ideal zum Wäsche waschen. Heute können wir auch zum ersten Mal draußen essen und es gibt leckere Rindersteaks vom Grill. Erst nach 20:00 wird es zu kühl und wir gehen rein.
Nur ein paar Kilometer entfernt ist der Koli Berg, der berühmteste Berg in Ostfinnland in der Region Nordkarelien. Von den drei Gipfeln, der höchste ist 347m, hat man einen tollen Panoramablick auf den Pielinen See und seine Inseln. Ein Schienenaufzug bringt einen vom Parkplatz bequem nach oben und ab Juli ist eine Sesselbahn in Betrieb um den vielen Besuchern gerecht zu werden.
Heute ist es schwülwarm mit 28 Grad und wir fahren runter zum Pielinensee und dort eine unbefestigte Stichstraße 11 km rein bis zu einem schönen Stellplatz am See. Dort sind wir ganz alleine und testen zum ersten Mal das Wasser. Wir schätzen es hat knapp 12 Grad. Karin ist schnell drin und genauso schnell wieder draußen. Ich traue mich nur bis zu den Knien rein. Wir bleiben zwei Tage dort und nutzen das schöne Wetter voll aus, denn es soll bald wieder etwas kühler werden.
Der Wetterbericht hat sich leider nicht geirrt und der angekündigte Regen setzt tatsächlich ein. Auf unserem Weg kommen wir bei Juuka am Specksteinmuseum vorbei. Die Gegend ist bekannt für riesige Specksteinvorkommen die dort seit 130 Jahren industriell abgebaut und verarbeitet werden. Im Museum erfährt man alles über die Entstehungsgeschichte des Specksteins und die Entwicklung des Abbaus und der Bearbeitung von den historischen Anfängen bis zur modernen Ofenproduktion. Zudem gibt es eine beeindruckende Sammlung von Steinskulpturen und Handwerkskunst zu sehen.
Ganz in der Nähe in Nurmes ist das Bomba-Haus eines der berühmtesten architektonischen und kulturellen Wahrzeichen in Ostfinnland. Das dreistöckige Rundholzhaus gilt als Prachtstück der karelischen Holzbaukunst. Das Original wurde 1855 vollständig ohne eiserne Nägel und primär mit der Axt aus riesigen Rundhölzern errichtet. Rund um das Haupthaus stehen weitere Holzhäuser mit Kunsthandwerksläden. In den 80er Jahren war es die viertbeliebteste Touristenattraktion in ganz Finnland und von Juni bis August kommt ein Touristenbus nach dem anderen. Wer wie wir allerdings im Mai dort hinkommt ist meistens alleine und alles ist noch geschlossen.
Der Regen ist mittlerweile in Dauerregen übergegangen und wir gehen auf einen schönen Platz mit Grill und Feuerholz am nördlichen Ende des riesigen Pielinensees. Dort lässt sich das schlechte Wetter gut aussitzen und bei Bedarf wird die Feuerstelle in Betrieb genommen. Unser nächster Stopp ist Kajaani. Zu sehen sind dort die Überreste einer Festung aus dem 17. Jahrhundert die auf einer kleinen Insel im Fluss liegt und eine imposante aus Holz erbaute evangelisch-lutherische Kirche im Stadtzentrum.
Die nächsten Tage sind kalt und regnerisch und wir fahren über den Rokua Nationalpark bis nach Oulu der Nördlichsten Großstadt der EU. Die Highlights sind die historischen roten Salzspeicherhäuser und der lebendige Markplatz mit der berühmten Bronzestatue vom Marktpolizist (Toripolliisi). Im Sommer ist hier eines der größten Musikfestivals Finnlands (Qstock, wohl in Anlehnung an Woodstock) Im August zieht die Luftgitarren Weltmeisterschaft als legendäres Kultevent Teilnehmer aus aller Welt an. Für die Nacht beschließen wir mit der kostenlosen Fähre auf die Insel Hailuoto überzusetzen. Wir wollten uns dort die hochgelobten Sandstrände anschauen und mit dem Rad auf Erkundungstour gehen. Aber daraus wurde nicht wirklich etwas. Mal abgesehen vom Regen gestaltete sich die Suche nach dem Nachtplatz ziemlich schwierig. Überall begrüßten uns Womo Verbotsschilder und wenn die mal nicht da standen haben schon die Mücken auf uns gewartet. Letztendlich fanden wir dann an der Vogelbeobachtungsstation noch einen schönen ruhigen Platz für die Nacht. Das mit der Radtour haben wir angesichts der schlammigen Pisten und dem Mangel an Radwegen aufgegeben und sind mit der Fähre am nächsten Morgen wieder aufs Festland gefahren.
Nicht weit von Oulu ist ein schönes Naherholungsgebiet am Fluss Kiminkijoki mit den bekanntesten und größten Stromschnellen in Finnland. Das Gebiet erstreckt sich über drei Kilometer und verbindet mehrere bewaldete Inseln miteinander die durch Hängebrücken verbunden sind. Wir machen ein paar schöne Wanderungen und verbringen die Nacht auf einem Platz in der Nähe.
Mittlerweile sind wir in Lappland und prompt steht schon das erste Rentier am Straßenrand. In Ranua besuchen wir den Wild Life Park der oft als der nördlichste arktische Zoo der Welt bezeichnet wird. Zu sehen sind ca. 50 nordische Tierarten die in weitläufigen Arealen leben. Darunter Braun- und Eisbären, Polarfüchse, Luchse, Schneeeulen und Vielfraße.
Am nächsten Tag sind wir gegen Mittag schon in Rovaniemi wo wir als erstes das arktische Museum besichtigen. Das markante Gebäude mit seinem 172 Meter langen Glastunnel gilt als eines der wichtigsten Wahrzeichen der Stadt und ist gleichzeitig Museum und Wissenschaftszentrum der Universität Lappland. Die interaktiven Ausstellungen beleuchten die Kultur der Samen und die Geschichte von Rovaniemi, sowie die Tierwelt und den Klimawandel in der Arktis. In einem speziellen Raum wird die Entstehung der Aurora Borealis erklärt und in Filmen visualisiert. Ein wirklich sehr empfehlenswerter Besuch.
Die Nacht verbringen wir etwas außerhalb an einem kleinen Badesee bevor wir uns dann am Morgen das offizielle Weihnachtsdorf anschauen. Santa Claus Village (Joulupukin Pajakylä) liegt genau am Polarkreis und wird das ganze Jahr über als offizielle Heimat des Weihnachtsmanns gnadenlos vermarktet. Das Fotoshooting mit dem Weihnachtsmann haben wir ausgelassen und dafür im Hauptpostamt des Weihnachtsmanns Postkarten an unsere Enkelkinder verschickt die hoffentlich pünktlich zu Weihnachten 2026 ankommen. Mehr als eine halbe Million Briefe, Karten und Wunschzettel aus aller Welt an den Weihnachtsmann werden hier pro Jahr sortiert und verarbeitet. In der Hauptsaison im November/Dezember sind es über 30.000 pro Tag. Die mehr als 30 verschiedenen Souvenir Geschäfte haben wir ausgelassen und sind nach dem obligatorischen Fotoshooting am Polarkreis weitergefahren.
Nun machen wir einen kurzen Abstecher nach Schweden wo wir eine Freundin von unserem Sohn besuchen die dorthin ausgewandert ist. Danach geht’s dann zurück nach Finnland und weiter zum Nordkap. Was wir dabei erleben erfahrt ihr dann wie immer im nächsten Bog. Bis dahin viel Vergnügen beim Lesen und Bilder anschauen.






































































































































































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Margit (Dienstag, 02 Juni 2026 17:15)
Danke für den tollen Bericht und die Fotos. Schade, dass ihr vor der Saison da gewesen seid und noch vieles geschlossen war. Aber ihr liebt ja die Ruhe.
Liebe Grüße und weiterhin gute Fahrt.
Hedi (Sonntag, 07 Juni 2026 10:58)
Danke dass ich auf diese Weise an Eurer tollen Reise teilhaben darf. Spannende Frühstückslektüre Liebe Grüsse
Rebecca und Sven (Samstag, 13 Juni 2026 15:19)
Liebe Grüße von hinter euch.
Ihr hattet die Ampel verdeckt. Auweiha. Zum Glück haben wir es ja noch rechtzeitig bemerkt. Das wird uns auf jeden Fall in Erinnerung bleiben und zum schmunzeln bringen.
Zumal wir auch mit EBE unterwegs sind. Allerdings bei uns nur gemietet. Wir sind ursprünglich aus Brandenburg bzw. Berlin.
Euch eine schöne Reise.
Wir haben leider nur drei Wochen wovon schon eine vorüber ist.
Vielleicht sieht man sich ja nochmal.
Liebe Grüße von Sven, Elfi ( Terrierdame) und Rebecca