Von Rovaniemi bis zum Nordkap - 29.Mai bis 18.Juni 2026

Bevor es weitergeht zum Nordkap machen wir einen kleinen Abstecher nach Schweden und besuchen Carmen, eine Freundin von unserem Sohn Felix. Sie lebt seit 10 Jahren in Merasjärvi und arbeitet als Schlittenhundeführerin und Tourguide auf einer Husky Farm. Das klingt erstmal wie ein romantischer Traum über unberührte Natur, glitzernder Schnee und ein Rudel treuer Hunde. Der Alltag ist allerdings geprägt von einer täglichen Routine. Um 8 Uhr morgens und um 5 Uhr abends ist Fütterung. Die 40 Hunde warten schon sehnsüchtig und ihre Vorfreude ist weithin hörbar. Danach müssen die Gehege gereinigt werden, egal bei welchem Wetter. Im Winter werden danach die touristischen Touren vorbereitet und die Gespanne angeschirrt. Im Sommer von Juni bis September sind die Tiere praktisch arbeitslos bevor sie dann mit Kraftfutter und Training auf die neue Saison vorbereitet werden.

Carmen bietet auch ganzjährig Mitarbeit als „Working Guest“ an und hat auch einige Wohnmobil Stellplätze vor dem Haus gegen Gebühr.  Wer auf einer Husky-Farm arbeiten möchte sollte eine entsprechende körperliche Fitness mitbringen und stressresistent sein. In den Wintermonaten arbeitet man nicht selten bei -20 °C bis -40 °C. Wer sich dafür interessiert, hier ist der Kontakt zu Carmen: Link zur Homepage

Wir bleiben zwei Tage bei Carmen und machen eine kleine Radtour in der Umgebung. Nochmal vielen Dank für Deine Gastfreundschaft und die schöne Zeit mit Dir und Deinen Eltern.  

Nun geht es wieder zurück nach Finnland. Vorher wird aber kurz vor der Grenze nochmal so richtig vollgetankt, mit einer Ersparnis von 0,40 Cent pro Liter. Auf dem Weg zum Inari See fahren wir durch endlose Waldgebiete und übernachten im Schigebiet von Iljesjervie und auf dem Wanderparkplatz vom Nationalpark Lemmenjoki, wo wir eine schöne Wanderung am Fluss entlang machen.

In Inari besuchen wir das das Samische Museum. Es gilt als eines der bedeutendsten Kulturzentren Lapplands und ist das nationale Museum der finnischen Sámi (Samen). Im Jahr 2024 wurde es sogar als Europäisches Museum des Jahres ausgezeichnet. Die Hauptausstellung zeigt wie eng das Leben, die Identität und die Traditionen der Sámi mit den arktischen Jahreszeiten und der rauen Natur verwoben sind. Der Naturteil widmet sich der Flora und Fauna des Nordens, der Entstehung der Landschaft seit der letzten Eiszeit und den heutigen Herausforderungen durch den Klimawandel. Und auf einem rund sieben Hektar großen Außengelände kann man etwa 50 historische Gebäude und Konstruktionen besichtigen. 

Heute ist es mit 26 Grad richtig heiß und die Sonne lacht 24 Stunden lang vom stahlblauen Himmel. Da müssen wir unser Nachtlager natürlich an einem See aufschlagen, inklusive einer richtig guten Erfrischung im kühlen Nass und dazu einen Aperol Spritz. Die ersten Moskitos sind auch da.  

Kurz danach geht es über die Grenze nach Norwegen. Eine Passkontrolle gibt es nicht mehr, dafür aber eine Zollkontrolle. In weiser Voraussicht haben wir vorher per App den mitgeführten Alkohol für 37 Euro verzollt und dem Zöllner die Quittung gezeigt. Der hat sich gefreut und auf eine nähere Durchsuchung des Fahrzeugs verzichtet.

Kirkenes ist der Wendepunkt für die Hurtigruten Schiffe und die letzte große Stadt vor der russischen Grenze. Wir machen einen Bummel durchs Zentrum, aber viel gibt der Ort nicht her und wir genießen das Sommerwetter auf der Terrasse eines Cafes. Abends probieren wir Rentier Burger. Auf Alkohol zum Essen verzichten wir nach einem Blick auf die Getränkekarte gerne. 0,5ltr Erdinger Weißbier für 17 Euro war dann doch etwas zu viel. 

Wir folgen nun der E6 immer am Fjord entlang und fahren über eine Stichstraße durch karge Felslandschaften bis zum kleinen idyllischen Fischerort Bugøynes. Der Ort stand Ende der 80er Jahre nach dem Zusammenbruch der lokalen Fischerei vor dem Aussterben. Gerettet wurde das Dorf dann durch die riesige Königskrabbe die aus Russland eingewandert war. Wie die Krabbe zu einem dauerhaften Visum kam ist nicht überliefert. Heute ist der Ort ein weltweites Zentrum für den Export dieser Delikatesse und natürlich kann man sie auch fangfrisch genießen. Wir entscheiden uns für eine Salatvariation mit Königskrabbenfleisch und dazu eine Fischsuppe. Die Nacht verbringen wir sehr ruhig am Hafen mit Blick aufs Meer. 

Die Fahrt geht weiter auf der E6 bis wir auf die 75 abbiegen, der offiziellen Norwegischen Landschaftsroute Varanger.  Hinter Vadsø verändert sich die Landschaft dramatisch. Bäume verschwinden komplett und die Straße schmiegt sich eng an die raue Küste des Barentsmeers. Ein lohnender Stopp ist ein kleiner Fußmarsch zum Vogelfelsen auf der Halbinsel Eckeroy. Während der Brutsaison sind hier rund 40.000 Dreizehenmöwen. Nach der Brutzeit verlassen die Tiere den Felsen und verbringen den gesamten Winter auf dem Ozean. Sie berühren monatelang kein Festland mehr, schlafen auf dem Wasser und jagen dort nach Fisch.  

Wir erreichen die Stadt Vardø die auf einer Insel liegt und durch den ältesten 3 km langen Unterwassertunnel Norwegens erreichbar ist. Jeden Tag um 16:00 hält hier das Hurtigruten Postschiff und für eine Stunde sind plötzlich viele Menschen in dem kleinen Ort und besichtigen die alte Festung aus dem 18. Jahrhundert und das Hexenmahnmal, das an die Hexenverfolgung im 17. Jahrhundert erinnert der damals 91 Frauen und Männer zum Opfer gefallen sind. Wir machen eine schöne Radtour bis zum Leuchtturm am Ende der Halbinsel. Auf dem Weg dorthin passiert man eine riesige Holzskulptur (Drakkar Leviathan) die dort im Sommer 2016 von einem russischen Künstler errichtet wurde. Das Werk stellt ein Langschiff der Wikinger und ein mystisches Seeungeheuer dar und symbolisiert die Urgewalten der Natur und das raue Leben am arktischen Meer. Die Konstruktion besteht vollständig aus massiven kunstvoll verflochtenen Holzbalken. Auch der Supermarkt im Ort hat was zu bieten, frische Eismeer Garnelen von denen wir ein köstliches Abendessen zubereiten

Die weitere Fahrt führt uns von Vardø auf einer schmalen einspurigen, spektakulären Straße nach Hamningberg. Man fährt direkt am Eismeer entlang, durchquert arktische Mondlandschaften und erreicht nach 36 km das verlassene Fischerdorf, das als eines der wenigen Dörfern in der Finnmark nicht von den Deutschen beim Rückzug niedergebrannt wurde.  Die traditionellen Holzhäuser aus dem 19. Jahrhundert stehen noch heute und wurden liebevoll restauriert. Das Dorf wird im Sommer als Ferienhaussiedlung genutzt und strahlt eine friedliche Ruhe aus die wir zwei Tage lang bei herrlichem Sonnenschein und 16 Grad ausgiebig genießen, nur unterbrochen von ein paar kleinen Wanderungen in der Umgebung. 

Nun geht es denselben Weg am Fjord entlang zurück zur E6. Das Wetter schlägt um und es wird kühl und sehr windig. Bei Ifjord biegen wir von der Hauptroute ab auf die 888 und machen den nächsten Abstecher von 120 km bis zum Leuchtturm Slettnes fyr in Gamvik. Wir fahren über eine karge baumlose Hochebene die von unzähligen Bergseen geprägt ist. Es sieht landschaftlich aus wie im Hochgebirge aber wir bewegen uns auf 300m Meereshöhe.  Überall liegen noch Schneereste und Schmelzwasser rauscht die Felshänge hinab. Die Temperatur erreicht hier so gut wie nie den zweistelligen Bereich. Nach der Hälfte der Strecke steigt die Straße erneut massiv an und wir fahren durch eine arktische Steinwüste die aussieht wie eine Mondlandschaft. Von Gamvik geht es die letzten Kilometer über eine schmale Schotterpiste durch das Naturreservat Slettnes an der Brandung des Nordmeers entlang. Die Straße endet direkt am nördlichsten Festland-Leuchtturm Europas der dort einsam in der arktischen Tundra seit Jahrzehnten Wind und Wetter trotzt. Im Sommer, also jetzt bei 5 Grad, gibt es im gemütlichen Cafe leckere Waffeln mit karamellisiertem braunem Käse und Erdbeermarmelade, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Wir verbringen eine stürmische Nacht in der Nähe vom Leuchtturm mit heftigen Windböen. Morgens waschen wir noch zwei Maschinen Wäsche in Gamvik was uns den ganzen Tag beschäftigt, bevor es dann die 120 km wieder zurück geht bis auf die E6 in Ifjord. 

Wieder zurück auf der Hauptroute geht es zügig weiter Richtung Nordkap. Ein lohnenswerter Stopp empfiehlt sich noch beim Silvar Canyon. Vom Parkplatz sind es nur 15 min bis zum Canyon Rand mit einem grandiosen Blick in die Schlucht und den tosenden Fluten. 

Langsam nähern wir uns dem Nordkap und die Anzahl der Wohnmobile nimmt deutlich zu. In Honningsvåg machen wir einen Stadtbummel der wegen den arktischen Temperaturen um 5 Grad relativ kurz ausfällt.  Hier legen die Kreuzfahrtschiffe an und bringen ihre Gäste per Bus zum Nordkap. Gerade ist mal kein Schiff da und in der Stadt ist es dementsprechend ruhig. 

Die Nacht verbringen wir auf einem Parkplatz 20 km vor dem Ziel. Am Morgen warten wir bis gegen 10 Uhr der Himmel aufreißt bevor wir die letzten Kilometer zum Nordkap in Angriff nehmen. Die Straße endet an einem großen Parkplatz auf dem viele Wohnmobile Platz haben. Nach dem südlichsten Punkt Afrikas, (Kap der guten Hoffnung) dem südlichsten Punkt Südamerikas in Ushuaia, dem nördlichsten Punkt Kanadas (Tuktoyaktuk am Arctic Ocean) sind wir nun im viertzehnten Reisejahr und nach 250.000 Kilometern am nördlichsten Punkt Europas angekommen.

Das Nordkap ist eine 307 Meter hohe schroffe Klippe aus Schiefergestein, die steil in den Arktischen Ozean abfällt. Die Landschaft ist baumlos und von rauer, arktischer Tundra geprägt. Für uns ist es der vierte Punkt am Ende der Welt den wir mit unserem treuen Begleiter MOMO erreicht haben.

Das absolute Highlight für ein Erinnerungsfoto ist das große Globus-Monument. Es steht direkt an der Klippenkante und markiert den nördlichsten Punkt des europäischen Festlands. Hier steht man in der Regel Schlange bis man für ein Foto dran kommt. Aber wir haben Glück. Nicht nur die Sonne lacht vom fast blauen Himmel, auch die Reisebusse sind noch nicht angekommen und so können wir ganz ungestört unsere Bilder machen. Ansonsten gibt es auf dem Hochplateau viel Wind und einen grandiosen Blick auf das stürmische Eismeer mit nichts außer Wasser bis zum Nordpol. 

13 Reisejahre und 250.000 Kilometer

Nun geht es erstmal wieder zurück auf die Hauptroute und dann weiter in die Inselwelt von Südnorwegen. Was wir dort erleben erfahrt ihr dann wie immer im nächsten Blog. Bis dahin viel Vergnügen beim Lesen und Bilder anschauen. 

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