Nach dem Besuch vom Nordkap brauchen wir erstmal eine Pause um die ganzen Eindrücke der letzten Tage zu verarbeiten. Wir biegen die nächste Stichstraße rechts ab und fahren bis nach Gjesvaer. Die vorgelagerte Inselgruppe des kleinen Fischerdorfs ist eines der bekanntesten Vogelschutzgebiete Europas. Hier nisten riesige Kolonien von Papageientauchern, Seeadlern und anderem Getier. Leider finden heute wegen zu hohen Wellen keine Touren statt.
Am nächsten Morgen verlassen wir den idyllischen Ort und biegen einige Zeit später auf die nächste 100 km Stichstraße ab die uns über eine malerische Strecke bis nach Havøysund bringt. Fährt man dort 5km den Berg hoch kommt man zum Arctic Cafe einem Betonklotz in der Einöde der hier Wind und Wetter trotzt. Wir haben einen schönen Stellplatz mit Blick auf die Bucht und sehen sogar einen Delfin.
Über die mächtige Kvalsund-Hängebrücke fahren wir nach Hammerfest. Der Ort galt lange als die "nördlichste Stadt der Welt" und ist heute stark vom Fischfang und der Gasindustrie geprägt. Wir spazieren durch den Ort und schauen uns den Hafen und die Kirche an. Nach dem Mittagessen gehen wir zum Meridian Point der am anderen Ende der Bucht liegt. Sie ist ein historisches Denkmal auf der Halbinsel Fuglenes und markiert den nördlichsten Messpunkt des Struve-Bogens, der seit 2005 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Weißte Bescheid! Die Stadt ist nicht wirklich schön und kommt uns auch sehr laut und hektisch vor. Wir haben den Eindruck jeder der 7000 Einwohner ist heute mit dem Auto unterwegs. Wir fahren 8 km auf die andere Seite der Bucht zu einem Stellpatz am Wasser. Von dort führt ein schöner Spaziergang über einen Bohlenweg zu einem Sandstrand mit türkisblauem Wasser wie in der Karibik. Wenn es nur 20 Grad wärmer wäre käme man sofort in Versuchung sich in das kühle Nass zu stürzen.
Heute regnet es nur einmal und das den ganzen Tag. Wir fahren weiter bis Alta, mit 22.000 Einwohnern die größte Stadt in der Region Finnmark. Im Stadtzentrum ragt die spiralförmige, mit Titan verkleidete Nordlichtkathedrale empor. Sie wurde 2013 geweiht und ist nachts spektakulär beleuchtet. Hätten wir uns gerne angeschaut, aber zurzeit gibt es keine Nacht und so ist es auch mit der Beleuchtung nix. Am nächsten Morgen besuchen wir noch das Alta Museum mit über 4.000 prähistorischen Felsritzungen. Ein hölzerner Rundweg führt direkt zu den Jahrtausende alten Kunstwerken unter freiem Himmel.
Bis Tromsø sind es noch knapp 400 Kilometer durch die zerklüftete Fjordlandschaft. Die Straße folgt dem Verlauf der Küste durch viele Tunnel und Berg und Tal Fahrten. Wir finden einen schönen Nachtplatz auf der alten Passstraße der E6 mit einem grandiosen Blick auf die Fjordlandschaft.
Wir nehmen die Fähre nach Lyngset und fahren nach dem Anleger gleich scharf rechts ein paar Kilometer auf enger Straße bis zur Aurora Destillerie. Dort haben wir einen wunderschönen Stellplatz direkt am Wasser. Von dort sind es nur ein paar Schritte zur Whisky Verkostung in einem tollen Ambiente.
In Tromsö parken wir etwas außerhalb und nehmen den Bus ins Zentrum. Zurzeit sind zwei große Kreuzfahrtschiffe im Hafen und dementsprechend voll ist es in der Stadt. Wir schauen uns das Polarmuseum an wo man sehr ausführlich über die legendären arktischen Expeditionen aus dem Jahr 1830 erfahren kann. Unglaublich welche Strapazen diese Abenteurer damals auf sich genommen haben. Zur Stärkung gibt’s danach den weltbesten Hotdog am historischen Stand von 1911 am Marktplatz. Da wir sonst kaum Hotdogs essen haben wir keine Vergleichsmöglichkeiten und müssen das mit dem „weltbesten“ einfach mal glauben. Gleich um die Ecke ist die hölzerne Domkirche aus dem Jahr 1861. Weiter geht’s zur Eismeerkathedrale, das moderne Wahrzeichen der Stadt mit einer außergewöhnlichen Architektur die an Eisblöcke erinnert. Von innen haben wir sie nicht angeschaut da die Schlange am Eingang endlos war. Dafür haben wir der nördlichsten Brauerei der Welt einen kurzen Besuch abgestattet. In dem historischen Pub gibt es frisch vom Fass 72 verschiedene Biersorten. Kein billiges Vergnügen angesichts von 15 Euro für eine Halbe.
Für die Nacht, die es ja zurzeit eigentlich gar nicht gibt, fahren wir 40 km außerhalb nach Grotfjord. Dort gehen wir auf den Campingplatz zum Wäsche waschen und um mal ein paar Tage zu relaxen. Der Platz liegt direkt am Fjord mit einem herrlichen Sandstrand auf dem ab und zu ein paar Rentiere spazieren gehen. Bei Sonnenschein und 18 Grad bleiben wir drei Tage und machen mal Urlaub.
Gut erholt nehmen wir nachmittags die Fähre nach Senja und folgen dort der 862, eine der zahlreichen spektakulären Routen des Landes, wie der Reiseführer vollmundig verspricht. Die Straßen sind eng und kurvig und führen durch teils einspurige Tunnel durch die wir manchmal gerade so durchpassen. Unser Ziel ist Metfjord wo wir uns mit unseren Reisefreunden Heike & Bernd treffen. Die Beiden sind mit ihrem Toyota auch schon seit mehr als 13 Jahren unterwegs und wir haben uns einige Male in Südamerika und im Oman getroffen. Wir verbringen zusammen zwei entspannte Tage, gehen wandern auf den Berg Knuten und haben uns viel zu erzählen. Dann trennen sich unsere Wege wieder, sie fahren nach Norden und wir nach Süden.
Am Nachmittag nehmen wir die Fähre nach Andenes auf den Vesteralen und gehen ein paar Kilometer weiter in Bleik auf den Campground. Von dort können wir zu Fuß zum Bootsanleger gehen wo die Touren für die Puffin Safaris starten. Vor 2 Jahren waren wir in Neufundland 2 Wochen zu früh dort und es waren noch keine Tiere da. Heute haben wir ein besseres Timing. Mit einem kleinen Fischerboot und 10 Passagieren geht es eine Viertelstunde bis zum Vogelfelsen wo die putzigen Tiere von Mai bis August zu finden sind. 80.000 Papageitaucher Paare nisten hier an den grasbewachsenen Hängen der Insel. Die bunten Vögel fliegen in riesigen Schwärmen im Kreis um die Klippen. Neben den Puffins ziehen hoch oben majestätische Seeadler ihre Kreise die es auf die Tiere abgesehen haben. Papageitaucher verbringen den Großteil des Jahres allein auf dem offenen Atlantik und kehren nur für die Fortpflanzung im Frühling an dieselben arktischen Brutkolonien zurück. Sie leben monogam und nutzen oft jahrzehntelang dieselbe Nisthöhle mit dem gleichen Partner. Jedes Weibchen legt nur ein Ei. Nach der Brutzeit von ca 6 Wochen werden die Küken 40 Tage lang im Nest gefüttert. Die Eltern fliegen dazu mehrmals täglich aufs Meer hinaus und können bis zu 30 kleine Fische quer im Schnabel transportieren. Nach sechs Wochen stellen die Eltern die Fütterung abrupt ein und verlassen die Kolonie. Das hungrige Küken wartet einige Tage bis der Hunger zu groß wird und bricht dann im Schutz der Dunkelheit alleine auf, krabbelt aus der Höhle und schwimmt sofort aufs offene Wasser. Die nächsten drei Jahre wird es nicht mehr an Land zurückkehren. Die Bootstour dauert 90 Minuten und ist sehr empfehlenswert.
Bevor es mit der Fähre weitergeht auf die Lofoten besuchen wir noch das Hurtigruten Museum in Stokmarknes. Das absolute Highlight der Ausstellung ist ein komplettes, ausgemustertes Hurtigrutenschiff aus dem Jahr 1956 um das herum ein gigantisches, modernes Glasgebäude errichtet wurde. Man kann die historische MS Finnmarken komplett betreten, die Brücke erkunden und die originalen Passagierkabinen aus den 1950er-Jahren betrachten. Ein sehr lohnenswerter Besuch.
Am Nachmittag nehmen wir die Fähre nach Fiskebøl auf den Lofoten. Nicht weit vom Anleger finden wir einen schönen Stellplatz mit toller Aussicht auf Berge, Sandstrand und die Mitternachtssonne.
Am nächsten Morgen folgen wir bei Bilderbuchwetter der Panoramastraße E10. Nach jeder Kurve wartet ein neues Motomotiv und in dem Licht sieht das natürlich alles super aus. In Svolvaer machen wir einen Fotostopp und lassen uns ein leckeres Krabbensandwich schmecken. Der Ort liegt eingebettet zwischen steilen Berggipfeln und dem offenen Nordmeer und ist die inoffizielle Hauptstadt der Lofoten. Weiter geht’s auf einer engen Stichstraße bis nach Henningsvar. Der Ort sieht aus wie Legoland und bietet jede Menge schöne Fotomotive. Wir nutzen das schöne Wetter auf der Dachterrasse eines Restaurants mit einem kühlen Pils und leckeren Fischgerichten. Die Nacht verbringen wir am Ortsrand auf einem großen Parkplatz zum Preis von 50 Euro und damit dem unangefochtenen Spitzenreiter für Übernachtungskosten, zumindest bist jetzt.
Das Sommerwetter von gestern ist Geschichte. Der Tag empfängt uns mit viel Wolken und Nieselregen. Auf unserem Weg liegt Nusfjord, eines der ältesten und am besten erhaltenen Fischerdörfer Norwegens. Der Ort liegt versteckt zwischen steilen Bergen an einem abgelegenen Fjord und ist nur über eine enge Stichstraße zu erreichen. Das gesamte Dorf steht heute als Freilichtmuseum unter Denkmalschutz. Allerdings hat auch jeder Tourist dieses Highlight auf der Bucketlist. Wir haben es angesichts der Masse an Wohnmobilen und Reisebussen ausgelassen und uns dafür das Wikingermuseum angeschaut. Direkt auf einer archäologischen Ausgrabungsstätte wurde hier das weltweit größte bekannte Wikinger-Langhaus detailgetreu rekonstruiert. Das beeindruckende, 83 Meter lange Gebäude versetzt Besucher direkt ins Jahr 500 n. Chr. zurück. Im Inneren brennt ein offenes Feuer und Handwerker in traditioneller Kleidung zeigen historisches Weben, oder bereiten den traditionellen Wikinger Eintopf vor. Wer nach langer Autofahrt etwas Bewegung braucht kann sich noch nach einem 1,5 km langen Spaziergang ein altes Wikinger Segelschiff anschauen und damit eine Runde auf dem See drehen, sofern man lange im Voraus den Trip gebucht hat. Für die Wikinger war dieser Ort ideal. Sie konnten ihre Schiffe sicher im ruhigen Gewässer des Sees verankern, hatten aber über den Wasserweg dennoch einen direkten Zugang über einen schmalen Kanal zum Atlantik für ihre Handels- und Raubzüge.
Weiter geht’s über enge Straßen und Tunnel bis nach Hamnoy. Kurz vor der Brücke ist links ein kleiner Parkplatz wo wir tatsächlich noch einen Stellplatz finden. Der Nieselregen ist mittlerweile in Dauerregen übergegangen und gute Fotos waren gestern. Wir trotzen Wind und Wetter und gehen nach Hamnoy und dann über die Brücke nach Sakrisoya. Ein absoluter Pflichtstopp für Fischliebhaber wie uns ist dort Anita’s Restaurant. Hier gibt es erstklassigen, frisch zubereiteten Fischburger mit Garnelen-Topping. Den Rest des verregneten Tages verbringen wir Indoor.
Die Wettervorhersage für die nächsten Tage verspricht viele Wolken, Nebel und Regen und so verlassen wir am nächsten Morgen die Lofoten und nehmen die Fähre nach Bodø. Wie es weitergeht erfahrt ihr dann wie immer im nächsten Blog. Bis dahin viel Vergnügen beim Lesen und Bilder anschauen.


























































































































































Kommentar schreiben
Eva (Mittwoch, 15 Juli 2026 13:28)
Hallo ihr Beiden,
wieder tolle Fotos, wunderbare Landschaften, trotz Regen. Da bekommt man schon Lust drauf, selbst mal dort unterwegs zu sein.
Liebe Grüße und weiterhin gute Reise!!