In der Türkei - Der Osten

Kappadokien ist ein altes Siedlungsgebiet dessen Oberfläche von zahlreichen Tälern, Schluchten und durch Erosion entstandene, quasi in den Himmel ragende Felskegel, sogenannte Feenkamine, geprägt wird. Die Struktur wurde vor 60 Millionen Jahren über Jahrhunderte von zahlreichen massiven Vulkanausbrüchen bestimmt. Durch Wind und Wetter sind über Jahrtausende charakteristische Formen entstanden und haben eine riesige Märchenlandschaft geschaffen. Schon im 4. Jahrhundert vor Christus wurde das Gebiet besiedelt und die Menschen schufen im weichen Tuffgestein Höhlen, Kirchen und komplette unterirdische Städte.

Als erstes besichtigen wir das Ihlara Tal, eine 15 km lange und bis zu 150 m tiefe Schlucht im Südwesten von Kappadokien. Schon bei der Anfahrt kommen wir an der ersten Felsenkirche vorbei. Im Tal selbst liegen etwa 50 Felsenkirchen und zahlreiche Höhlenbauten die im 7. bis 11. Jahrhundert von byzantinischen Mönchen geschaffen wurden. Über eine Treppe geht es 400 Stufen hinunter und von dort folgt man einem ausgeschilderten Rundgang am Fluss entlang. Einige der Felsenkirchen und deren Wand und Deckenfresken sind noch sehr gut erhalten und am Ende des Rundgangs kann man in einem Cafe, deren Tische in den Fluss gebaut sind, die Füße abkühlen, bevor es bei 35 Grad die 400 Stufen wieder nach oben geht. 

Unser nächster Stopp ist die unterirdische Stadt Derinkuyu, neben Kaymakli die berühmteste der unterirdischen Städte in Kappadokien. Neben diesen beiden werden noch 50 weitere Städte in der Gegend vermutet, aber nur 36 wurden bisher entdeckt und nur ein paar davon für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Entstehungszeit dieser Städte ist unter den Archäologen etwas umstritten. Manche sehen die Hethiter vor über 4000 Jahren als die Erbauer an. Sicher ist, dass ab dem 6. Jahrhundert die Christen diese Anlagen nutzten um sich vor ihren Verfolgern zu schützen. Das Tunnelsystem von Derinkuyu wurde 1963 zufällig entdeckt und 1965 etwa ein Viertel der ursprünglichen Anlage für die Öffentlichkeit freigegeben. Der tiefste zugängliche Punkt liegt neun Stockwerke und bis zu 55 Meter unter der Oberfläche und man sollte beim Besuch nicht unter Klaustrophobie leiden, denn mitunter geht es durch sehr schmale und niedrige Tunnel in die verschiedenen Etagen. Bei Gefahr konnten die Tunnel durch Rollsteintore, die wie Mühlsteine aussehen, verschlossen werden. Die Belüftung wird durch Tausende von an die Oberfläche führenden Schächten gesichert und funktioniert auch heute noch bis auf die unterste Ebene. Eine unglaubliche Anlage die Tausenden von Menschen Schutz geboten hat. 

Kurz vor Göreme liegt Uchisar. Der Ort wird dominiert von einem 60 Meter hohen Burgfelsen der durchzogen ist von unterirdischen Gängen und Räumen die früher als Wohnräume dienten und ca. 1000 Menschen beherbergten. Von oben hat man einen schönen Rundumblick auf die Märchenlandschaft von Kappadokien. 

Dann kommen wir ins Zentrum des Geschehens nach Göreme. Der Ort ist Startpunkt für die berühmten Ballonfahrten die in der Hauptsaison über Monate hinaus ausgebucht sind. Dutzende von großen Reisebussen quälen sich durch die Straßen und in den Restaurants und umliegenden Sehenswürdigkeiten wie dem Open Air Museum ist kaum ein Durchkommen. Für die erste Nacht stellen wir uns auf ein Hochplateau mit Blick auf die Felslandschaft und sind dort ganz alleine. Morgens um 5 Uhr beginnt dann das Spektakel. Gut 100 Heißluftballons starten mehr oder weniger direkt unter uns. Wir sind völlig begeistert. So schön war Frühstücksfernsehen noch nie. Hier ist ein kleiner Video Clip dazu: Kappadokien

Wir verbringen zwei weitere Nächte auf einem Campground oberhalb von Göreme , weil wir mal wieder eine Waschmaschine brauchen. Der Ausblick auf die Ballons ist von dort nicht ganz so spektakulär, aber immerhin können wir das Spektakel noch einmal erleben nachdem wegen Wind und Regen zwei Tage kein Start möglich war. Wir machen eine kleine Wanderung durch die Felsformationen zu einer nahegelegenen Felsenkirche wo man nur mit Taschenlampe und auf allen Vieren durch die Gänge kriechen kann. Das Open Air Museum haben wir ausgelassen, weil die Anzahl der Reisebusse und der an der Kasse stehenden Menschenschlange uns einfach nur abgeschreckt hat.  

Nach drei schönen Tagen kehren wir dem Massentourismus den Rücken und fahren weiter nach Zentralanatolien. Unterwegs besichtigen wir nochmal eine Karawanserei in Saruhan die sehr stilvoll restauriert ist. In Pinarbasi bummeln wir durch den Ort, essen Döner für 1 Euro und Karin ist so mutig und probiert den Herrenfriseur aus. Der ist ganz aufgeregt und freut sich offensichtlich mal eine Frau unter der Schere zu haben. Mit Hilfe von Google Translate und einem Mix aus Deutsch, Englisch und Türkisch klappt’s auch mit der Verständigung, so dass am Ende alle zufrieden sind, und das für zwei Euro!   

Nun geht es immer weiter gen Osten ins anatolische Hinterland. Wir passieren den Ort Kangal der einst durch die Zucht von anatolischen Schäferhunden bekannt geworden ist, allerdings ohne einen Hund zu sehen. In Divrigi wollen wir uns die Moschee anschauen, die ist aber leider, wie schon seit einigen Jahren, immer noch in der Renovierungsphase und nur von außen zu besichtigen. Aber immerhin können wir die eindrucksvollen Eingangsportale bewundern. Ganz in der Nähe finden wir einen malerischen Platz am Fluss mit Badestelle und machen dort mal ein paar Tage Urlaub. 

In Ost Anatolien, von Divrigi nach Erzurum und weiter nach Norden bis zum Schwarzen Meer, fahren wir durch eine traumhafte Landschaft auf Höhen zwischen 1000 und 2300m. Endlich können wir nachts auch mal wieder durchatmen, denn das Thermometer fällt auf 10 Grad. In dieser Gegend sind in den letzten Jahren einige große Staudammprojekte realisiert worden bzw. noch im Bau. Straßen mussten dafür komplett neu an den Hang verlegt werden und wir sind durch mindestens 50 Tunnel gefahren. Tausende von Menschen wurden in uniforme Siedlungen zwangsumgesiedelt die sich gleichen wie ein Ei dem anderen. Wir fahren eine zum Teil abenteuerliche Strecke am Coruh River entlang und durch den Ort Yusufeli, wo der Damm noch im Bau ist und eine Höhe von 270m erreichen soll. In ein paar Jahren ist hier dann alles geflutet und nur noch ein paar vereinzelte, aus dem Wasser ragende Minarette erinnern dann daran, dass hier einmal Ortschaften waren. Die Strecke hat uns so gut gefallen, dass wir einen kleinen Video Clip gedreht haben den ihr hier anschauen könnt: Road Trip Turkey

Kurz vor der Grenze wechselt das Klima zu subtropisch mit gut 70% Luftfeuchte bei 35 Grad. Da kommt Freude auf. Wir suchen uns einen Platz auf 600m Höhe um die Nacht einigermaßen erträglich zu gestalten. Umgeben von Teeplantagen machen wir dort unseren letzten Stopp in der Türkei. 

Am nächsten Tag überqueren wir die Grenze nach Georgien.  Was wir dort erleben erfahrt ihr dann wie immer im nächsten Blog. 

Kleines Fazit Türkei

Die Türkei hat uns als Reiseland begeistert. Überall trafen wir freundliche und hilfsbereite Menschen, egal ob in den Touristen Zentren, oder im anatolischen Hinterland. Die vielen Kulturschätze und die atemberaubenden Landschaften sind wirklich einzigartig. Hinzu kommt die Einfachheit des Reisens. Man findet praktisch überall einen schönen Übernachtungsplatz, sei es in der Wildnis, oder auf den wenigen Campingplätzen die wir zwecks Waschmaschine ab und zu ansteuern mussten. Niemals hatten wir ein unsicheres Gefühl bei der Wahl des Übernachtungsplatzes. Leider haben wir in den 32 Tagen unseres Aufenthalts nur einen Bruchteil des riesigen Landes kennen gelernt, aber die Türkei ist ja nicht aus der Welt und für uns jederzeit wieder eine Reise wert. 

Unsere Route in der Türkei – 32 Tage – 3500 Kilometer

Kommentar schreiben

Kommentare: 8
  • #1

    Eva (Freitag, 30 August 2019 13:18)

    Da bekommt man Lust , selbst mal hinzufahren!
    Tolle Bilder, informativ und ..schön, dass ihr so positive Erlebnisse habt.
    Weiter gute Fahrt euch Beiden !!

  • #2

    Lisberh & Leo (Freitag, 30 August 2019 14:08)

    Ja wenn wir das lesen reizt es uns sehr euren Spuren vielleicht zu folgen. Auch die Fotos geben den Ansporn dazu.
    Auch Georgien muss ein fantastisches Land sein.!
    Gute Weiterfahrt und lb. Grüsse aus Belgien L&L

  • #3

    Willi Dumhard (Freitag, 30 August 2019 14:10)

    endlich mal ein positiver Bericht über die Türkei, ich bereiste das Land 1970 das erste Mal, hab 1985 dort gearbeitet (Wasserski und Parasailingschule). Bisher bereisten wir das Land mehr als 20 mal und immer waren es herrliche Urlaube und ich kann mich nur eurer Meinung über das Land anschließen. Wir legen keinen Wert auf das allgemeine unsinnige Erduangeschmarre. Wir wünschen euch eine angenehme Weiterreise.
    Grüße aus Afrika (Abidjan)
    Willi und Amon gruene-minna-auf-weltreise.de

  • #4

    Christa Ober (Freitag, 30 August 2019 15:28)

    Liebe Weltreisende, wieder mal ein toller Reisebeicht und wunderschöne Bilder...
    Besonders der Film mit den bunten, aufsteigenden Ballons....einfach nur schön..
    Weiterhin eine gute Reise und vielen Dank, dass wir dran teil nehmen können.
    Ganz liebe Grüsse aus Bayern...
    Christa

  • #5

    Marion Kabbe (Freitag, 30 August 2019 17:03)

    Vielen Dank fürs Mitnehmen.
    Grüßle
    Marion

  • #6

    Margit (Sonntag, 01 September 2019 16:59)

    Hi Ihr Zwei,
    das waren wieder Fotos und Berichte besonderer Art. Das mit den Heißluftballons ein super Erlebnis.
    Gute Fahrt weiterhin und bis zum nächsten mal.
    Grüße Margit

  • #7

    Tanja (Sonntag, 01 September 2019 18:47)

    Toller Bericht! Wir sind derzeit in Griechenland und werden Anfang Oktober in die Türkei kommen.
    Euch weiterhin eine gute Reise!
    Liebe Grüße Tanja & Armin
    www.travelsouthbound.de

  • #8

    Uli (Samstag, 07 September 2019 21:38)

    Liebe Reisende,
    seit unserem Zufallstreffen an den Goßen Seen in den USA bin ich ein Online-Mitreisender.
    Alles Gute und grüßt besonders Sri Lanka.
    Uli

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